Another Part of it

1. Kapitel

Er wusste, er würde es nicht überleben, er wollte es auch gar nicht, er wollte das alles nicht mehr erleiden müssen, Nicht noch einen Sommer, nicht noch einmal mehr als zwei Monate Folter, nicht noch mal all das. Egal, aus welchem scheinheiligen Grund. Niemand konnte ihm erzählen, dass er da sicher war. Sicher vor was oder wem?

Voldemort?

Der Mann machte ihm schon lange keine Angst mehr, der wollte ihn im Grunde nur tot sehen, auf eine möglichst effektive Weise. Vielleicht ein Schuss mit einer Knarre, ein sauberes Köpfen oder sonst etwas das sich nicht rückgängig machen lassen würde, etwas, das im Gegensatz zum Avada nicht erneut scheitern konnte.

Und ganz ehrlich – war es nicht dieser alte Schleimer selbst, der allen Ernstes den Nerv besessen hatte, ihm vor Cedrics Leiche zu sagen, dass der Tod nur ein weiteres Abenteuer war, das es zu bestehen galt? Gott, er hatte in seinem bisherigen, beschissenen Leben schon mehr als genug durchgemacht, die Welt konnte nicht so ungerecht sein, ihm auch noch im Tod etwas Wärme und Sicherheit vorzuenthalten. Er wollte nur zu Leuten, die ihn mochten! Endlich in Sicherheit!

Denn die würde er bei den Lebenden nicht finden, das war ihm klar geworden, als Ced gefallen war. In diesem einen Moment.

Es hatte den Tod von einem seiner wenigen Freunde gebraucht, um wieder sehen, erkennen zu können, was falsch lief, was nicht stimmte. Etwas stank, so sehr, dass es wehtat, doch er hatte vier lange Jahre lang beschlossen, es zu ignorieren, in der irrigen Hoffnung, endlich einen Ort gefunden zu haben, wo er Anerkennung fand. Er, gerade er! Ja doch, sicher! Er, der Freak, der Idiot, wegen dem so viele Leute starben und weder sterben würden, nun, wo der andere Irre auch noch wieder einen Körper hatte! Er, der von Beginn an wieder der Idiot gewesen war, der auf die ersten Trottel rein gefallen war, die einige nette Worte an ihn gerichtet hatten!

Stumm starrte Harry in die Nacht. Sie war nicht klar oder hell, sie war stockdunkel. Und er saß vollkommen allein hier, am glaslosen Fenster der Astronomieturms, die Beine in Richtung Boden und damit meinte er nicht den im Zimmer. Ein ungelegener Windstoß und die Sache wäre vielleicht endlich erledigt. Alles war besser, als zurückzugehen. Nicht wieder zu seinem Onkel und seiner Tante! Er wäre wieder ein Haussklave, der aufräumen, putzen, kochen und polieren musste, dafür angeschrieen wurde und kein Essen bekam. Ja, er hatte heimlich Dinge von der Tafel mitgenommen, doch die hatte Dumbledore ihm weggenommen mit dem Kommentar, dass Niemand ihn hungern lassen würde! Dass er übertreibe und die Nettigkeit und Freundlichkeit seiner Verwandten schlecht rede, dass es so schlimm gar nicht sein könne, er solle sich nicht so anstellen, er habe Schlimmeres überlebt! Das Gespräch heut, nein, seit acht Minuten gestern Nachmittag, hatte ihm die Augen endgültig geöffnet. All die Dinge hatten einen Sinn ergeben.

Sein erster Brief von Hogwarts, adressiert an den Schrank unter der Treppe, die nachfolgenden, adressiert an Dudleys zweites Zimmer mit den vielen Schlössern. Jemand musste gewusst haben, wie es ihm ging, jedes Jahr im September war er mit Schmerzen und dürr zurück in die Schule gekommen, hatte sich sagen lassen müssen, er solle sich nicht so anstellen! Dieses Jahr, als Ron ihn angeschrien hatte, weil er an dem verdammten Turnier hatte teilnehmen müssen, gegen seinen Willen. Dessen dauernde Eifersucht, Hermines Getue um ihre Intelligenz. Dabei schien sie die Hälfte von dem, was sie las, gar nicht zu verstehen.

Vielleicht…

Vielleicht hätte Alles anders sein können, wäre er damals nur nach Slytherin gegangen, wie der Hut es gewollt hatte. Hätte er Dracos Freundschaft angenommen, dann hätte Snape ihn auch gar nicht so hassen können, da er zu dessen Haus gehört hätte! Vielleicht hätte der Tränkemeister sich dann auch die Mühe gemacht, ihn kennen zu lernen, statt in ihm wohl nur den verhassten Vater zu sehen, den er selbst doch nicht mal kannte!

Aber für solche Überlegungen war es wohl zu spät.

So, wie für die Hoffnung.

Letztes Jahr hatte er wild gehofft. Auf Black, auf seinen Paten. Doch der hatte sich in dem Jahr nur ein einziges Mal gemeldet, um ihn anzupflaumen, ihm zu sagen, dass er nur Aufmerksamkeit wolle, dass das, was er getan habe, einfach nicht richtig sei. Und Lupin – nun, der hatte sich seit dem dritten Jahr nicht mehr bei ihm gemeldet, trotz des scheinheiligen Versprechens. Nun, diese beiden waren Freunde seiner Eltern, sie hatten mit ihm eigentlich gar nichts zu Tun. Es schien sie auch nicht zu kümmern, dass es ihn gab, sei schrieben noch nicht mal Briefe!

So wenig, wie Ron und Hermine es von dem Moment an taten, in dem sie in ein paar Stunden den Hogwartsexpress verlassen würden. Dann, wenn er Freunde am nötigsten brauchen würde, ließen sie ihn im Stich – jedes Jahr wieder. Dieses hier würde keine Ausnahme werden.

Er würde, wie in der Woche seit das Turnier vorbei war, nur Alpträume haben, Cedric sehen, wie der Ältere starb, gehalten von schwarz gewandeten Todessern hinter den unheimlichen Masken. Ja, er hatte Angst, aber nicht vor dem Tod, sondern vor dem Sterben. Davor, wie es geschehen würde. Oh, Harry wusste, er war schon mehr als ein Mal fast tot gewesen und vier Mal davon war er nicht mal in der Schule gewesen. Dann hatte es einfach nur sein Onkel etwas mit der angeblich verdienten Strafe übertrieben. Doch jedes Mal hatte er überlebt. Seine Magie hatte ihn ein ums andere Mal nicht sterben lassen, egal, wie sehr er es sich gewünscht hatte.

Er wusste nicht, ob er diese Ferien überleben konnte oder auch nur wollte, bei dem was ihm bevorstand und ohne die Essensvorräte, die er sich so mühsam angesammelt hatte. Dooch selbst wenn er, wie durch ein Wunder, ein weiteres Mal hierher zurückkehren würde, was würde dann kommen? Ein weiteres Jahr indem wahre Freunde sterben würden? Wer dieses Mal? Neville, Fred, George, Luna, Susan?  Er würde das nicht verkraften! Denn er würde schuld sein, auf irgendeine Weise. Weil er nicht schnell genug, nicht stark genug sein würde. Etwas würde wieder geschehen.

Wenn es doch nur eine Lösung geben würde! Irgendwas? Etwas, dass er verschwinden konnte, dass er nicht mehr der Junge war, der lebte, sondern Harry, einfach nur Harry, irgendwas, irgendwer, der in der Menge unterging, den man nicht erkennen nicht finden würde. Denn auch hier hatte er nicht das zuhause gefunden, nachdem er sich so sehr sehnte!

Wegrennen, das hatte er schon versucht, als er nicht mal wusste, dass Magie real war. Aus irgendeinem Grund war er meist schon am Ende desselben Tages aufgegriffen und zurückgebracht worden. Die Strafen seines Onkels und seiner Tante hatten ihn von weiteren versuchen nach dem vierten Mal abgehalten.

Das wäre nur erfolgreich, wenn er es endlich schaffen würde, ein Animagus zu werden! So gern hätte er Black damals um Hilfe gefragt, doch etwas hatte ihn abgehalten. Stattdessen hatte er sich verkrochen, Bücher gelesen, probiert – erfolglos. Scheinbar war er einfach keiner. Auch, wenn sein Vater es gewesen war. Das war seine Hoffnung gewesen. Ein Animagus zu werden, um eventuelle Ortungszauber, die wohl auf ihm lagen, loszuwerden und aus den Schilden der Schule zu entkommen, denn ein Mal im Hogwartsexpress würde er keine Chance mehr haben, das war ihm vollkommen klar, so realistisch war er, danke vielmals. Es war nur noch diese Nacht gewesen, er saß hier, seit die Jungen in seinem Saal endlich schliefen, erfolglos. Es war ein Trauerspiel. Vielleicht auch, weil er immer noch verletzt war von der letzten Aufgabe des Turniers.

Trotzdem.

Er musste es versuchen, er hatte noch fünf Stunden, bis seine Abwesenheit auffallen und man ihn suchen würde. Dann würden sie wissen was er versucht hatte und es würde noch eine Abreibung von Dumbledore geben. Nein! Nein! Er wollte sich das nicht mehr gefallen lassen! Alles… dauernd tat ihm Alles weh, sein gesamter Körper war mehr oder weniger mit Schmerzen überzogen! Eher würde er hier die Abkürzung nach unten nehmen! Er wollte nicht zurück! Er wollte keine Marionette mehr sein, weder für die eine, noch für die andere Seite! Er wollte…! Er wollte…! Er wollte einfach nur frei sein! Bitte! Bitte, bitte!

 

 

„Ja.“

„Lord.“

Tom sah auf, als er die Stimme hörte, musterte den jungen Mann und strich seine Haare zurück. Oh ja, er hatte Haare, doch das war etwas, das er, wie so einige andere Dinge unter Verschluss hielt. Nur seine engsten Vertrauten wussten davon. Eine Hand voll Männer und Frauen, die sich eben nicht so einfach beeindrucken ließen, die mehr sahen und verstanden, die ihm beigestanden hatten. Dieser junge Mann hatte sich seinen Respekt auf erstaunliche Weise verdient, auch, wenn er aus einer Familie kam, von der man es nicht erwartet hätte. „Was gibt es?“, fragte er daher, blickte wieder auf seine Unterlagen. „Neuigkeiten?“

„Viele Eurer Anhänger sind zurückgekehrt“, sprach der Rotschopf, nach einem kurzen Diener. Er nahm sich auch die Freiheit, sich zu setzen. Er war gut in dem was er tat und er hatte seinen Wert bewiesen. „Nur wenige sind dem Ruf nicht gefolgt.“

„Aha“, gab Tom nur zurück, blickte nun doch auf, legte die Feder zur Seite. Der Rotschopf vor ihm war anders, als der Rest seiner sturen, dummen Familie, die sich zwar vermehrte wie die Karnickel, die aber die alten Werte verworfen, die das eigenständige Denken verlernt hatte. Diese Idioten ließen sich lieber sagen, was sie zu tun hatten, als das sie mal ihre Augen öffneten.

Nun, es gab auch hier löbliche Ausnahmen oder eben die, die neutral bleiben wollten. Und es gab Percival Weasley. Der junge Mann war inzwischen zwanzig Jahre alt, hatte sich von seiner Familie losgesagt, arbeitete im Ministerium und hatte sogar einen Trank genommen, um sein magisches Erbe zu wecken. Mit erstaunlichen Folgen, wenn er ehrlich war. Folgen, die auch ihm halfen. So war der Mann inzwischen einer der stärksten Magier in seinem inneren Zirkel geworden und einer seiner drei Generäle, trotz seines Alters.

„Noch etwas?“

„Nun, es… es geht… um ihn“, erklärte Percy leise. Die Folgen kamen sofort. Abrupt zuckte der Kopf des Anderen zurück. Die eigentlich eisblauen Augen wurden sofort feuerrot, die Pupillen zogen sich zusammen.

„Was?“, fragte Tom sofort. Alle seine anderen Leute hätten sofort gedacht, dass er wütend war, doch der Rotschopf wusste es in dem Fall tatsächlich besser. Es war Sorge, pure und sehr verständliche Sorge.

„Er war nicht im Zug. Die Professoren suchen ihn, sie haben den unfähigen, invaliden Wer gerufen um zu helfen, Severus konnte mich nur über seine Abwesenheit aufklären. Er hat wohl alles zurückgelassen.“ Mit den Worten hob Percy die Hand, in der er den Zauberstab und den Umhang hielt, von dem Ron immer allen Brüdern erzählt hatte. Neidisch, eifersüchtig, voller Wut, nicht etwas Ähnliches zu besitzen.

„Vermutungen?“, fragte Tom sofort, während etwas in ihm sich zusammenzog.

„Nichts. Keine Spur. Der Alte hat sicher Ortungszauber auf ihm gehabt, aber entweder er ist tot und sie haben deshalb nicht angeschlagen, er ist an einem Ort mit starken, magischen Wällen oder er hat einen Weg gefunden, sie wirkungslos zu machen. Sehr unwahrscheinlich, wie ich leider sagen muss, da er sich der Zauber nicht mal bewusst sein dürfte.“

„Wo kann er sein…?“, flüsterte Tom leise, starrte ohne etwas zu sehen an die Wand hinter dem Kopf des anderen Anwesenden.

„Das weiß Niemand. Severus sucht, er hat wohl auch Lucius und ein paar Andere eingeschaltet, aber es kann dauern. Zumindest haben die ihn auch nicht mehr.“

„Ja, aber wo ist er?!“

„Wir werden ihn wohl finden.“

 

 

Was…?

Verwirrt blickte Harry um sich, nur um festzustellen, dass er noch immer im Astronomieturm saß, auf der Fensterbank. Allerdings sah die anders aus – oder? Er rieb sich die Stirn. Nein, falsch, er versuchte es, doch das klappte nicht. Stattdessen sah er nur eines. Eine recht große Pfote. Eine fast weiße Pfote mit ein, zwei winzigen, schwarzen Flecken. Was…?

Verwirrt sprang er vom Fenster, drehte sich, mehr oder minder erfolgreich, um sich selbst. Er… er hatte einen sehr buschigen Schwanz! Er… war er eine Katze? Eine große Katze? Gott, er musste es geschafft haben! Er.. er war ein Animagus geworden! Ja! Er hatte es geschafft! Er war geflüchtet! Vor ihnen allen! Die konnten ihn mal!

So, und jetzt nur noch raus! Er wollte weg! Weg von Allem, weg von seinem alten Leben! Er hatte gelesen, dass es nicht gut war, zu lang in der Form zu bleiben, dass man darin gefangen werden könnte und dann auf Andere angewiesen war, doch das war ihm gleich. Eine Katze hatte ein tolles Leben, um ein Vielfaches besser als das, was er bisher gehabt hatte. Vielleicht war Irgendjemand dann ja bereit, ihn zu lieben.

So lautlos und vorsichtig wie möglich schlich er vom Turm, sah sich dann um. Mit anderen Augen, mit schärferen Augen, näher am Boden, ohne Stab, ohne Umhang, ohne Netz und doppelten Boden. Ihm war klar, selbst, wenn man ihn jetzt noch finden würde, wäre er dran. Er musste raus kommen, unbemerkt, selbst von den geschwätzigen Gemälden. Erst, wenn er die Grenzen der Schule hinter sich lassen konnte, war er frei, das war ihm klar. Er sollte sich also gar nicht erst freuen, bevor er draußen war, noch war die Möglichkeit, doch eingefangen und zurückgeschleppt zu werden viel zu groß, denn sicher waren Alle schon auf der Suche nach ihm, es war hell, die Sonne hatte recht hoch am Himmel gestanden. Es war also sicher schon lange nach Abfahrt des verdammten Zuges und die Lehrer hatten jetzt mehr als genug Zeit, ihn zu suchen, er hatte ja nicht mal seinen Umhang oder den Zauberstab. Gut, Letzteres würde ihm in der Form vermutlich absolut nichts bringen, doch unsichtbar zu sein wäre gerade wirklich ein Vorteil.

Aber daran hatte er nicht mal gedacht. Nun, draußen würde das gute Stück doch nur verloren gehen und er würde es nicht brauchen. Sollte Ron doch das dumme Ding besitzen, er hatte es ohnehin immer haben wollen! Er wollte nur noch seine Freiheit, eine Welt, in der er weder Freak noch Held sein musste, einen Ort, wo er einfach er war, egal, wer er nun mal sein musste.

So nah am Boden wie möglich schlich Harry schließlich die Treppe nach unten, konnte seine Schnauze gerade noch aus dem Weg ziehen, als Jemand an ihm vorbei hetzte. Madame Sprout. Sie rief nach ihm, schien ehrlich besorgt. Nun, nicht alle Professoren waren gleich gemein oder böse. Es gab auch die, mit denen er einfach kaum etwas zu tun hatte, wie die Frau, die Herbologie unterrichtete. Aber Neville hatte ihm erzählt, dass sie eine gute, vernünftige Person war. Nicht, dass er viel darüber sagen konnte.

Denn an dieser Schule gab es kaum Jemanden, der sich wirklich mit ihm beschäftigt hatte. Lupin hatte ihn ohne Zweifel nur als Sohn seines Vaters, besser gesagt, als schlechtes Spiegelbild einer vergangenen Zeit gesehen, Snape hasste ihn wegen seiner Herkunft und Dumbledore… nun, dem war er ohnehin vollkommen gleichgültig. Die anderen Lehrer sahen nur seinen Nachnamen und sein falsches Lachen, dachten, es sei echt. Sie wollten gar nicht mehr wissen, das hatte er auf die harte Art immer wieder gelernt.

Entschieden schüttelte Harry den Kopf. Er musste sich beherrschen! Sonst würden die ihn finden und dann war all seine Mühe umsonst gewesen! Rasch trat er ganz auf den Gang, sah sich um, versuchte, mit den neuen Sinnen und den zusätzlichen Körpergliedern zurecht zu kommen, dann huschte er die Treppe herunter, die sich bewegte, gerade als er am Fuß angekommen war, gerade so, als wolle das Schloss ihm helfen. Er beschloss sich bei Gelegenheit bei dem Bauwerk zu bedanken, das ihm öfter geholfen hatte, als die meisten Menschen, rannte dann einen dunklen Gang entlang, wieder nur so gerade eben an einem Lehrer vorbei huschend. Flitwick, der tatsächlich kurz aufsah, dann aber den Kopf schüttelte.

So, was jetzt? Er würde auf gar keinen Fall durch das Haupttor oder die kleinen Nebenausgänge gehen können, die würde der alte überwachen. Es war also völlig unnötig, diese Gefahr auch nur einzugehen. Also der kleine Geheimgang, der nach Hörsamere führte. Ein Gang, den Hogwarts ihm gezeigt hatte, der auch nicht in der Karte der Herumtreiber verzeichnet gewesen war und die in einem kleinen Wäldchen in der Nähe endete statt im Keller eines Geschäftes.

Außerdem konnte er den Gang auch in dieser Form aufmachen, da er nur einen Stein in eine Wand zu drücken brauchte er… oh verdammt! Hastig flüchtete Harry sich in die nächstbeste Nische, in die er kaum rein zu passen schien, obwohl er seit dem Turnier nicht einen Bissen hatte bei sich behalten können und trotz seiner neuen Beweglichkeit. Doch er schaffte es, gerade noch rechtzeitig, bevor an der Stelle wo er hatte hingehen wollen, ausgerechnet Snape stehen blieb.

„…. Lupin kommen?“

Oh verdammt! Der Werwolf! Lupin würde ihn riechen! Das war nicht gut, er musste weg! Schnell, doch der Tränkemeister und der verdammte Direktor standen direkt vor ihm!

„Ich habe ihn kontaktiert, er dürfte nicht mehr lang bracuhen1 Wo verdammt noch mal ist dieser verfluchte Bengel?! Was meint er eigentlich?!“

Severus starrte auf den weißbärtigen Mann von dem in dem Moment absolut nichts Großväterliches, sondern nur noch etwas sehr Gefährliches ausging. Er war überrascht gewesen über Potters Verschwinden, doch er zeigte es nicht. „Ich gehe in die Kerker“, erklärte er knapp. „Saint Potter wird auftauchen oder auch nicht, aber der Streichelwolf braucht seine verdammte Plörre. Hatten Sie nicht Suchzauber auf dem Jungen, Direktor? Nutzen Sie die, es gibt Leute, die haben schon mehr als genug zu tun und ich habe mich nicht gemeldet, um noch mehr mit Potterbrut zu Tun zu haben! Dass er sich Sorgen machte, verschwieg er, sowie die Tatsache, dass er es besser wusste. Aber er musste aufpassen, er spielte so schon ein gefährliches Spiel.

Harry sah zu, wie der dunkel gewandete Mann in Richtung Kerker verschwand, während Dumbledore sichtlich angepisst abdampfte, ohne Zweifel, um Lupin zu holen und der würde ihn nur zu schnell gefunden haben! Er musste sich beeilen! Er hatte keine Sekunde mehr zu verlieren! Kaum waren beide weg, schlich er sich zu der hüfthohen Säule, auf der ein Rabe saß, er markierte den Weg zum Turm der Raben, wie Harry von Luna wusste. Ein Mal, als einige Slytherins hinter ihm her gewesen waren, war er dagegen gestolpert, so, dass der Gang dahinter sich das erste Mal für ihn geöffnet hatte. Lang hatte Harry sogar überlegt, den Gang in die Karte einzutragen, doch etwas hatte ihn abgehalten. Nun war er einfach nur dankbar darum. So konnte auch Lupin ihn nicht finden, denn nur Gänge, die die Herumtreiber gekannt hatten, waren zu sehen. Und wenn er vom Gelände runter war, würde er es hinter sich haben, dann war er vielleicht endlich frei!

Nach einem weiteren prüfenden Blick stellte Harry sich auf seine Hinterpfoten, feststellend, dass er zumindest nicht die kleinste Katze im Umkreis sein konnte. Mit einer der Pranken stieß er den Raben an, der umkippte. Gleichzeitig glitt lautlos die schmale Tür dahinter auf, in die er auch damals nur hatte gleiten können, weil er im zweiten Jahr die Statur eines Neunjährigen gehabt hatte. Nun, es war nicht so, als wäre er sonderlich gewachsen. Er sah jetzt noch aus, wie ein verdammter Erst- oder Zweitklässler. Aber egal, im Moment war es ihm endlich mal nützlich.

Er glitt durch die Tür, stellte fest, dass Katzen wirklich im Dunkeln sehen konnten, suchte die Wand ab und schon einen herausstehenden Ziegel zurück, so, dass die Tür so lautlos zu glitt, wie sie auf gegangen war. Keine Spuren hinterlassen, er brauchte jeden verdammten Vorteil, den er bekommen konnte! Und jetzt – los. Dann war er in einer halben Stunde bei dem Wäldchen in Hogsmaede und vielleicht vor Sonnenuntergang so tief in dem Wald, dass er sich hinlegen konnte, ohne gefunden zu werden.

Ohne sich auch nur ein letztes Mal umzusehen rannte Harry mit den ungewohnt vielen Füßen den engen, tiefen Gang entlang, bis am Ende ein weiterer Rabe vor der scheinbaren Sackgasse auftauchte. Er stellte sich erneut auf, drückte dagegen und glitt aus dem Tunnel zurück in das helle Licht des Sommers. Diese Tür würde sich von selbst schließen, sei war auch von Außen nicht zu öffnen. Daher hatte Harry damals angenommen, dass es ein Fluchtgang für jüngere Kinder gewesen war, etwas, das zu der damaligen Zeit durchaus einen Sinn gemacht hätte. Er blieb, bis die Tür wieder zu glitt, legte eine Tatze auf die Steine der Burg, die ihm zumindest zwei Jahre lang Hoffnung auf etwas Besseres gemacht hatte. Das Schloss, das ihm immer auf ihre Weise geholfen hatte. Auch jetzt spürte er an seiner Tatze eine angenehme Wärme. Wie ein Abschied. Hoffentlich nicht für immer, doch vermutlich für eine lange Zeit. Er wollte nicht zurückkommen, bevor er nicht volljährig war und der Krieg, dessen Gründe er noch immer nicht kannte, ein Ende gefunden hatte.

Erst nach diesem letzten Moment sah Harry sich um. Das Schloss selbst sah er nur noch aus der Ferne, er stand schon mitten im Gestrüpp, abgesehen von diesem scheinbar wild in die Landschaft gestellten Mauerrest, der ihn hierher gebracht hatte. Nun, vielleicht würde er zurückkommen. Doch erst mal ging es ihm nur noch darum, dass er weg war, weit weg von den Leuten, denen er als Person so gleichgültig zu sein schien. Er atmete noch ein Mal tief durch, dann rannte er los. Oh, es tat weh, weil er beim Turnier verletzt worden war, doch es tat auch gut, einfach so zu rennen, schneller, schneller und immer schneller, hinein in das Dickicht des Unterholzes, das immer dichter wurde und weg von seiner Vergangenheit, in einen Sommer, in dem er nicht geschlagen werden würde. In einem Wald gab es Beeren, Nüsse und andere essbare Dinge. Über den Winter würde er sich später Sorgen machen.

In der ersten Zeit lief Harry so schnell er konnte, doch dann wurde er immer langsamer, bis er nur noch hinkte. Doch er blieb nicht stehen. Noch nicht, noch war er in seinen Augen zu nah am Schloss, vor Allem, da ja auch Lupin da war, der ihn riechen konnte, er war sich ziemlich sicher, nicht anders zu riechen, als vorher, er war also noch zu leicht zu finden. Zwei Mal lief er auch Strecken in einem Bach, um seine Spuren zu verwischen, doch er fürchtete, dass das nicht lang vorhalten würde.

Allerdings konnte Harry nun nicht mehr. Es wurde langsam dämmrig, musste also etwa neun Uhr abends sein. Er sah sich um, entdeckte einen hohlen Baumstamm, in den er rein kroch. Hier konnte er sich ausruhen. Er hoffte wirklich, weit genug gerannt zu sein. Vielleicht würden sie ihn auch gar nicht so weit weg suchen. Oh, er würde sich nie darauf verlassen, später, wenn er sich ausgeruht hatte, weiter laufen. Aber erst mal musste er sich ausruhen, ein wenig. Zumindest würde Niemand ihn mit Getrampel und dem Geschrei nach Frühstück wecken, von dem er nichts bekommen würde.

 

 

Nachdenklich sah Remus sich um, schüttelte denn den Kopf. Er wusste nicht, was das sollte, doch die Spur, die ihn in den Astronomieturm geführt hatte, war einfach verschwunden, auf einer der Treppen. Hier stimmte was nicht. Dazu kam noch, dass neben dem Geruch nach Potter ein anderer Geruch die Spur fast überdeckt hatte. Als wäre nach dem Bengel ein Anderer hier gewesen. Jemand, den er nicht kannte, der aber ganz bewusst die Spuren verwischt hatte. „Der Geruch ist auf der Fensterbank am stärksten“, erklärte er, sprang elegant auf selbige und sah in die Tiefe. Der Boden war von hier aus kaum zu sehen und obwohl es Sommer war, war es hier ziemlich kalt. Kaum über Null Grad, weil es so hoch im Berg lag, auf derselben Höhe, wie die schneebedeckten Gipfel.

„“Heißt das, er ist… da unten?“, fragte Albus vorsichtig, sich selbst überlegend, ob er nicht doch zu weit gegangen war und ob er Potter hätte erlauben sollen, diesen einen Sommer bei anderen Leuten zu verbringen. Selbstredend nicht bei den Weasleys, die zum Großteil genug von dem quengeligen Jungen hatten oder bei Black, der das nicht wollte, aber wochenweise bei Leuten wie den Longbottoms und Lovegoods. Immerhin musste er zusehen, dass Alles nach Plan lief. Eigentlich hätte Potter in dem Sommer endgültig gebrochenw erden sollen, er hatte Durslexy die Erlaubnis gegeben, den Bengel zu nutzen, wie der es wollte, auch im Bett, doch dummerweis hatte der sich ein weiteres Mal einfach entzogen.

Sollte Potter tot sein, würde er, Albus, ein Problem haben, denn nur wenn Tom den Jungen umbrachte, würde er den Anderen umbringen kümmern. Es war essentiell, dass der Bengel da sein würde, bei der letzten Schlacht! Gebrochen, ja, lebensmüde, vorzugsweise, aber da!

„Das nehme ich an“, gab Remus ruhig zurück, blickte in die tiefen Schluchten. Es würde schwer werden, da einen Körper zu finden, Schnee, der auch im Sommer fiel, überdeckte den Geruch und wilde Tiere sahen Leichen als willkommene Abwechslung. Vögel, Bären, kleinere Fleischfresser, sollte Potter da unten sein, würde nicht viel mehr bleiben, als der ein oder andere Knochen. Das war so was von gar nicht gut!

Ja, Remus mochte das Kind nicht, das sein Rudel zerstört hatte. Wegen dem Bengel waren seine Freunde in ein Versteck gegangen, für fast ein Jahr, so, dass er selbst vor James‘ und Lilys Tod praktisch keinen Kontakt mehr gehabt hatte. Als er Potter dann das erste Mal gesehen hatte, war es ihm endgültig vergangen. Der Junge war ihm auf Anhieb unsympatisch gewesen. Oh, er war sehr freundlich und verständnisvoll zu Diesem gewesen, hatte ihm, auf Albus‘ Befehl, beigebracht, was der als wichtig erachtet hatte, doch das war es dann auch gewesen.

Unruhig trat Albus näher, sah in die Tiefe, doch er wusste, er würde nichts sehen. Zu viele Felsen, zu viel Neuschnee in der Nacht. Aber – wenn Potter gesprungen war, warum war sein Alarm dann nicht losgegangen? Warum zeigte sein Ortungszauber ihm nicht die Spur der Leiche? Dafür hatte der diese Zauber doch verdammt noch mal gesprochen! Und warum hatte Fawkes nicht eingegriffen, wo er es doch sonst immer zu den unmöglichsten Zeiten getan hatte! So, wie damals, als er Tom als Kind hatte umbringen wollen, als er gesehen hatte, wie mächtig der Bengel zu werden drohte, dem er eingeredet hatte, ein Halbblut zu sein! Nun, Tom würde nie erfahren, wer er war, das war das einzig Sichere, denn sollten die Menschen das erfahren, er würde keine Anhänger mehr haben. Das würde er nicht zulassen, so wenig wie das Scheitern seiner Pläne, die er über ein halbes Jahrhundert so sorgfältig geschmiedet und ausgearbeitet hatte! „Wir brauchen seine Überreste.“

„Für was?“, fragte Remus irritiert, denn er hatte keine großen Zweifel, wer wieder als Suchhund herhalten werden durfte und er hasste die Kälte. Er hasste sei wirklich.

„Vielsafttrank.“

„Jemand soll Harry ersetzen?“

„Natürlich. Für eine Weile. Ich dachte an Ron Weasley, er kennt den Jungen, weiß, wie der reagieren würde und was Quiddich angeht, ich habe ein paar Zauber, um die Fähigkeiten eines Toten auch auf ihn zu übertragen. Ich habe einige Haare von Potter,, genug für ein paar Wochen aber danach müssen wir was Anderes von Potter in die Finger bekommen und wenn es fein gemahlene Knochen sind.“

„Und Weasleys Abwesenheit?“

„Oh, das wird das kleinste Problem sein“, gab Albus schulterzuckend zurück. „Wenn Jemand fragt, werden wir einfach sagen, dass er zu seinem Bruder nach Rumänien gegangen ist, für ein Jahr. Schon haben wir das Problem gelöst. Seine Abwesenheit wird Niemanden aufregen, aber es darf auf gar keinen Fall bekannt werden, was mit Potter geschehen ist. So viel Arbeit – Alles für die Katz! Er hätte noch lang nicht so gebrochen sein dürfen!“ Ja, das war das Problem – er konnte nicht sicher sein, dass der Tod des Jungen wirklich etwas gebracht hatte, nun, wo er nicht durch Voldemort erfolgt war, denn so einen Sturz überlebte Niemand und Potter hatte die falschen Gene, um Animagus zu sein. Etwas, das außer ihm nur Lily herausbekommen hatte und das war die Nacht gewesen, in der er die Familie einfach beseitigt hatte.

Remus zuckte mit den Schultern. „Was auch immer. Ich gehe mal davon aus, dass ich da mit muss?“, fragte er ergeben, unwillig, aber doch wissend, dass er es tun würde.

„Nun, es bietet sich an, ich traue dir“, gab Albus ruhig zurück. Etwas, das stimmte. Er hatte den Werwolf in der Hand, ohne ihn wäre der Mann arm wie ein Bettler, Lupin war abhängiger von ihm, als ein Säugling von seiner Mutter und treu, wie ein dummer Köter, selbst, wenn er mal getreten wurde. „Wir müssen der Öffentlichkeit den Glauben lassen, den sie haben. Bald wird Voldemort“, er ignorierte das leichte Zucken des Anderen. „Bald wird Voldemort wieder öffentlich in Erscheinung treten, dann braucht die Welt etwas, an das sie sich klammern kann und Ron wird die Aufmerksamkeit genießen, der Junge hat sie sich verdient. Und mag Sirius Ron nicht auch lieber, als Potter?“

„Allerdings“, nickte Remus, er wusste von dem Anderen, dass der genervt von den Jammerbriefen gewesen war, darum so getan hatte, als habe er sie nicht bekommen, verloren oder sonst was. Er hätte den Besen damals auch lieber Ron gegeben, aber nun, der Rotschopf hatte heut eine Überraschung auf dem Tisch.

„Gut, dann bereite Alles vor. Du wirst allein gehen. Ich gebe dir Geld.“

„Allein? Ohne Irgendwen?“, fragte Remus vorsichtig.

„Natürlich. Ich traue nur dir. Snape fühlt sich Lily verpflichtet. Er könnte beim Fund der Leiche etwas Dummes tun, wie an die Öffentlichkeit zu gehen. Es ist schwer genug, sicher zu stellen, dass er auf unserer Seite bleibt und die Kinder unterrichtet. Wir – der Orden – wir sind auf seine Exzellenten Tränke angewiesen, sie haben schon zu viele Mitglieder gerettet und sie machen dir zu Vollmond das Leben erheblich leichter. Nicht wahr?“

Remus knurrte. Er mochte den Mann nicht, hatte ihn noch nie gemocht. In der Schulzeit hatte er unauffällig gegen den Mann gehetzt, ohne sich an Übergriffen zu beteiligen und als er Vertreter von Gryffindor geworden war, hatte er die Übergriffe ignoriert und stattdessen oft genug Snape die Punkte abgezogen. Ja, er war nun mal parteiisch. „Hab ich Irgendwen dabei?“

„Nein. Je weniger es wissen, umso besser.“

 

 

Schon seit vier Tagen war er unterwegs, zumindest war Harry sich dessen so ziemlich sicher, wobei es auch fünf oder sechs sein konnten, irgendwie schien die Zeit für ihn nun anders zu vergehen. Oft lief er die halbe Nacht und den frühen Morgen, bevor er sich für den Rest des Tages einen Unterschlupf suchte. Ein verlassener Fuchsbau, in den er sich rein zwängte, ein hohler Baumstamm, eine kleine Höhle. Doch er war am Ende seiner Kräfte. Er wusste, er sollte weiter, noch viel weiter weg, doch er konnte sich kaum bewegen. Es half auch nicht, dass er außer einigen Beeren hier und da praktisch nichts gegessen hatte.

Zwischenzeitlich hatte er auch mal einen Blick in Wasser werfen können, er wusste, er war keine normale Katze, zu groß dafür, er war weiß mit kleinen, schwarzen Flecken im Fell und seine Ohren hatten Pinsel. Zu dumm, dass er von nichtmagischen Tieren kaum was wusste. Wobei – irgendwas stimmet auch da nicht mit ihm, bedachte man, dass er eine Katze mit winzigen Stummelflügeln war. Ja, Stummelflügel. Er konnte sich nicht mal Muggeln zeigen. Kein Haustier werden.

Außerdem waren da die Schmerzen. Nach dem Turnier hatte Dumbledore ihm gesagt, dass es ein Teil seiner Strafe für Cedrics Tod war, nicht vollständig geheilt zu werden, dass er so lernen sollte, schneller zu handeln und zu töten, wenn es nötig sei. Sein Bein hatte eine offene Fleischwunde gehabt. Hatte er auch immer noch. Er konnte mit dem rechten Hinterlauf nicht mehr auftreten, er kam kaum vorwärts. Und heut ging einfach gar nichts mehr.

Harry seufzte innerlich, rieb sich mit einer Pfote den erneut schmerzenden Kopf und legte ihn dann auf seine Pfoten. Schlafen. Wenn er doch nur schlafen könnte! Ein paar Stunden ohne Alpträume, ohne seinen Onkel mit dem Gürtel und dem hässlichen Grinsen, ohne Cedrics Tod oder Cedric, der ihn aus den bewölkten Augen ansah und verlangte zu wissen, warum er hatte sterben müssen. Schlaf. Vergessen.

Doch dummerweise hatte er keinen Traumlostrank. Außerdem hatte er immer Angst, von so was abhängig zu werden. Die Verführung war zu groß, darum hatte er den Trank nur alle sechs Wochen ein Mal genommen, dann, wenn seine Müdigkeit zu groß geworden war. Warum konnte er nicht mal als Tier, was auch immer für eine freakige, magische Art er sein mochte, Frieden finden? Warum konnte er nicht ein einfacher animagus sein? Eine Katze, ein Hund, von ihm aus sogar eine Ratte! Aber nein, er musste was sein, womit er sich nirgends blicken lassen konnte, nicht mal bei Magiern, denn laut der Bücher, die er gelesen hatte, war es für einen Magier unmöglich, als Animagus zu einem magischen Geschöpf zu werden und wenn er seine Stumelflügel bedachte, war es wohl eine sichere Annahme so was zu sein!

Vielleicht hatten seine Verwandten doch immer Recht gehabt. Er war ein Freak, selbst unter Magiern nicht normal. Das hatte er früh gesehen. Keiner seiner Mitschüler, egal in welchem Jahrgang, hatte stablose Magie beherrscht, er hatte sich angewöhnen müssen, nicht ohne seinen Stab zu zaubern. Etwas, das ihm immer noch schwer fiel, wie der Stab sich für ihn so seltsam, so falsch, zu schwer anfühlte. Außerdem hatte er sich, wie schon bei den Dursleys, viel dümmer gestellt, als er war, auch, weil Granger immer so glücklich ausgesehen hatte, wenn sie als das Gehirn der drei Freunde bezeichnet worden war. Er hatte sich wieder dumm und unfähig gestellt.

Nur wenige Leute hatten dieses Spiel durchschaut. Luna Lovegood, ein Mädchen, das ein Jahr unter ihm war und ihn immer seltsam angesehen hatte, das sich aber, nach Cedrics Tod, einfach neben ihn gesetzt, ihn gehalten hatte, Neville Longbottom, dem er geholfen hatte. Und er war sich ziemlich sicher, dass Malfoy zumindest einen Verdacht hatte.

Das konnte doch wohl nicht sein! Wütend schnaubte das elegante, große Tier, roch erst in der Luft, dann lief es mit der Nase auf der Erde weiter, wie ein Hund. Er würde den Eindringling finden und umbringen! Das hier war sein Revier und er war verdammt noch mal der einzige Panther in diesem Revier! Es war seines! Es duldete weder Männchen noch Weibchen hier, so nah am Versteck!

Ohne Rücksicht auf Irgendwas, die Viecher hatten schon lang gelernt, ihm aus dem Weg zu gehen, vor Allem, wenn sie gerade nicht seine Beute waren, stürmte er dem Geruch nach, bis hin zu einem hohlen Baumstamm. Er wollte einfach mal losbeißen, doch dann stockte er, mitten in der Bewegung, starrte auf das Tier, das da lab, nun langsam den Kopf hob, als würde es ihm Mühe bereiten, sich überhaupt zu bewegen und ihn nun mit blauen Augen ansah. Mit seltsamen Augen. Das Tier war krank. Mager, das weiße Fell glanzlos und die Ohren hingen irgendwie. Ein Schneeleopard – mit winzigen Flügeln?! Was war das denn? Ein Experiment von Muggeln? Diese Idioten machten doch komische Sachen mit Tieren zu Forschungszwecken! Das Tier musste entkommen sein, oder?

Nun, die andere Möglichkeit war nur, dass es ein Animagus oder ein magisches Wesen war, denn hier in Britannien gab es dieses Tier nicht einfach in freier Wildbahn! Seine Lefzen etwas entspannend schnüffelte er, knurrte nur, als er Schneeleopard abrupt zurückzuckte, dann wimmerte, als habe ihm die eigene Bewegung Schmerzen bereitet. Erst dann ließ es den Kopf wieder auf die Pfoten sacken, ergab sich einfach jeder Art von Schicksal, das ihm nun bevorstehen würde. Erst jetzt konnte er richtig schnuppern, ja, da war Blut, Krankheit und… Merlin nein! Seine Pupillen weiteten sich, er merkte, wie er handelte, ohne zu denken, selbst in den Baumstamm trat, sich über das Tier stellte, an dessen Nacken schnüffelte – und zubiss. Nicht so sehr, dass er den Schneeleoparden mit den seltsamen Flügeln ernstlich verletzt hätte – nicht mehr, als er es schon war, aber genug, um die Haut zu verletzen. Er hörte das Wimmern, spürte die Anspannung der Muskeln und gleichzeitig die Kraftlosigkeit des Anderen, der auch nicht aufstand, als er erst über dessen Wunde leckte und versuchte, ihn dazu zu bewegen, aus dem Baumstamm zu treten.

Langsam öffnete Harry die Augen. Er wusste, etwas stimmte nicht. Er zuckte auch kaum, als er eine andere Wildkatze sah. Das Tier war riesig und es roch regelrecht nach Macht, ein Animagus, da war er sich sicher. Er war so gut wie erledigt. Er hatte nicht geschlafen, fühlte sich so schlecht, wie schon lang nicht mehr. Er blickte dem irgendwie sehr orangen Tier in die blauen Augen, sah, wie es sich zu entspannen schien, dann sackte Harry wieder in sich zusammen. Oh, er sah das schwarze Zeichen an der Pfote des Animagus. Das Dunkle Mal. Er hatte es auch bei Snape gesehen, der irgendwie nicht so unglücklich über sein hässliches Tattoo gewesen zu sein schien, wie er es gesagt hatte. Nun, vielleicht war Voldemort auch die bessere Lösung, er wusste es nicht.

Eigentlich war Harry abgehauen, um zumindest etwas Leben zu finden, eine Möglichkeit, etwas Schönes zu erleben, nicht nur in seiner Phantasie. Aber so, wie es ihm jetzt ging, würde er auch den Tod hinnehmen. Er hoffte nur, dass es schnell gehen würde, zu erschöpft um auch nur nachzudenken. Er wich dem anderen aus, wollte nicht ins Gesicht gebissen werden. Dann spürte er, wie das andere Tier sich über ihn stellte, ein Biss. In seinen Halsansatz, aber nicht sehr stark. Anschließend begann der Animagus, über die Wunde zu lecken, die der selbst verursacht hatte. Was sollte das? Wenn der Kerl ihn nicht killen wollte, konnte er dann nicht wenigstens verschwinden und ihn in Ruhe leiden lassen?

Nein, so würde er nichts erreichen, stellte er frustriert fest, trat wieder aus dem hohlen Baumstamm. Erst dort begann er zu morphen, das andere Tier mochte sehr dünn sein, aber es war zu groß, um es wie ein Jungtier am Kragen weiter als ein paar Meter zu schleppen. Langsam bildete sich Fell und Schwanz zurück, zum Vorschein kam eine elegante Hose mit sauberer Bügelfalte in einem fast schwarz anmutenden Dunkelgrau, teure Schuhe, ein aufgerolltes, weißes, ebenfalls teure wirkendes Hemd und etwa schulterlange orange-rote Haare. Auf dem rechten Unterarm zeichnete sich deutlich das Mal ab. Percy seufzte etwas, trat wieder näher zu dem hohlen Baumstamm, blickte auf das darin liegende Tier, das nun wieder den Kopf hob, ihn sah – und regelrecht panisch versuchte, durch die Rinde auf der anderen Seite zu flüchten.

„Ruhig“, sprach Percy leise, hielt dem Anderen die Hand hin, der nicht mal zu versuchen schien, zu morphen. Was nur zwei Dinge bedeuten konnte. Der Andere konnte oder wollte nicht morphen. Er vermutete ersteres. Wenn man als Animagus verletzt wurde, musste man erst den Tierkörper heilen, bevor es auch nur sinnvoll sein würde, es zu versuchen. „Ich nehme dich jetzt hoch.“

Endlich! Harry spürte, wie der Andere ging, ihn in Ruhe zu lassen schien. Gut. Er legte sich wieder hin, schloss die Augen. Zumindest, bis er etwas über sich spürte. Er öffnete die Augen – und stieß die Katzenform eines Schreis aus, versuchte, sich so eng an das Innere des Baumes zu pressen wie möglich. Das konnte doch nicht sein! Das war ein einziger Alptraum! Wie? Warum immer er?! Ja, er hätte es sich denken können, von dem Moment an, als er die Farbe vom Fell des Anderen wahrgenommen hatte, doch es war trotzdem ein Schock. Ein Weasley! Nein! Er wollte nicht! Wollte nicht zurück! Auf gar keinen Fall! Er…! Er sollte nach dem anderen beißen, schnappen, ihn Kratzen, doch etwas in ihm ließ das nicht zu. Harry wimmert, als die Hand ihn schließlich am Kragen packte, ihn aus der Höhle zerrte. Oh, er sah das Mal, aber das konnte nur ein Irrtum sein. Kein Weasley stand nicht hinter Dumbledore.

„Ruhig“; wiederholte Percy, strich leicht über das matte Fell. „Ich helfe dir, Kleiner. Ich werd mal zusehen, dass du geheilt wirst.“ Er lief los, stieg über einige Wurzeln, angenervt, dass das seinen neuen Schuhen sicher nicht sonderlich guttun würde. Aber im Grunde war auch das gerade nebensächlich. Es zählte nur das Wesen, der Animagus, die Person die er in seinen Armen hatte und die nebenbei sein Hemd einsaute, einfach, weil er dreckig war. Das schlimmste aber war, dass der seltsame Schneeleopard nicht mal die Stärke zu haben schien, sich effektiv aufzurichten.

Aus einem ihm nicht so ganz erfindlichen Grund ließ Harry einfach Alles geschehen, ohne sich zu wehren, nicht, dass er die Kraft dazu hatte. Er ließ sich auf die Arme nehmen und tragen, einen Moment lang froh über die Aussicht, geheilt zu werden. Etwas Wärrme, was zu Essen  das klang gerade zu verführerisch um sich zu wehren. Allerdings überlegte er sich gerade ernstlich, welcher Weasley um Merlins Willen Dumbledore so erfolgreich in den Rücken hatte fallen können und wie er es drehte und wendete, es kam nur ein Name auf, der ihn nebenher wirklich überraschte. Percy. Bill war in Ägypten, zumindest laut Ron und Molly, Charlie bei den Drachen in Rumänien, die Zwillinge, zwei seiner wenigen Freunde, waren gerade sicher unterwegs, um einen Laden zu finden, er hatte ihnen die Siegesprämie des Turniers heimlich gegeben, Ron würde keinen Finger für ihn rühren, wenn Dumbledore es nicht wollte und Ginny war zu wenig zu gebrauchen.

Trotzdem machte das Alles gerade wenig Sinn für ihn. Warum tat Percy das? Nun, egal, er… oh. Sie waren gerade irgendwo eingetreten. Er öffnete seine Augen ein klein wenig, sah, wie ein Mann an Percy vorbei lief, er spannte sich an, doch sofort legte sich eine Hand auf seinen Rücken, der Rotschopf murmelte einige leise Worte, bevor der Mann sich tatsächlich leicht vor Diesem verbeugte und einfach weiter lief, durch die mit weißem Marmor ausgelegte Halle, eine elegante Treppe nach oben, zu einer Tür, die sein Träger mit einem gezielten Fußtritt öffnete.

Es war zum Glück kein zu weiter Weg, dann fühlte Percy die Schutzzauber, die ihn aber ohne Probleme passieren ließen, anschließend waren es nur noch wenige Schritte bis in die Burg, die vor Muggelaugen und auch den Augen Unwissender fein säuberlich verborgen lag. Das neue Hauptquartier, das der Lord eingerichtet hatte, da ihm Narcissas ewiges Gestänker über Blut auf Teppichen zu bunt geworden war.

Als ein niedrigrangiger Todesser an ihnen vorbei lief, zuckte das Tier, doch Percy beruhigte es, lief hastig weiter, direkt in das Zimmer des immer anwesenden Heilers des Ordens,  wo er die Tür mit einem gezielten Tritt öffnete, den Schneeleoparden vorsichtig auf den Behandlungstisch legte und ihn beruhigend streichelte. „Gleich geht es dir besser“, versprach er leise, sah dann auf, als die nächste Tür halb aus den Angeln flog und ein wenig begeisterter Tränkemeister und Heiler auf ihn zustürmte. Noch im Morgenmantel.

Oh. Interessant. Allerdings zuckte auch sein Kleiner gleich wieder zusammen. Sanft strich er über dessen Kopf, blickte zu Snape, der nicht mal den Anstand hatte, rot zu werden. Der Beste war selbst zur Behandlung hier gewesen. Vor ein paar Tagen war Potter aus der Schule verschwunden und Dumbledore hatte wieder seinem Spion die Schuld gegeben, statt sich selbst. „Ich wollte eigentlich zu Zaibini“, erklärte er ruhig. „Senior.“

„Der ist offensichtlich nicht da“, knurrte Severus ungehalten. Natürlich hatte Dumbeldore den Verlust seines Goldkindes mal wieder an ihm ausgelassen, da er dem Alten hatte sagen müssen, dass der Bengel nun mal nicht beim wiedererstandenen Lord zu finden gewesen sei und er hatte zwei Tage gebraucht, um sich zu erholen, größtenteils zumindest. Er hatte noch zwei etwas größere Wunden, verborgen unter den Binden um seine Brust. Es ging ihm gut genug, dass Gregor Zaibini beschlossen hatte, einige Dinge in Italien zu kaufen und dass er Diesen solang vertreten solle, es sei ja im Moment nichts los. Pah! Das hatte er auch noch, dumm, wie er war, geglaubt! Also hatte er beschlossen, sich bequem auf das Sofa im Hinterzimmer zu legen und etwas zu lesen, aber nein, irgendein Irrer trat die Türe ein und dann kam auch noch Weasley mit einer Streichelkatze überdimensionalen Ausmaßes hier rein marschiert! Weasley! Als hätte er nicht in der schule schon genug Probleme mit denen! Aber nein, selbst hier wurde er von roten Haaren verfolgt! Dazu hatte es dieser spezielle Weasley auch noch geschafft, in den Augen des Lords sehr, sehr schnell aufzusteigen! Dieser knapp zwanzigjährige Kümmerling war in den inneren Kreis gekommen! Gut, er war kaum älter gewesen, aber darum ging es doch nicht! Hier ging es ums Prinzip! „Was wollen Sie Weasley?!“

Percy verdrehte seine Augen. „Er. Verletzt.“

„Ich bin kein Tierheiler!“

„Und er ist kein Tier! Schon mal einen Schneeleoparden in England gesehen? Einen mit Flügelchen?!“ Percy strich leicht über den Rücken des nun wimmernden Tieres, das wieder versuchte, abzuhauen, sich aber offensichtlich nicht mal allein aufrichten konnte.

„Oh toll! Sie haben einen Fremden mal eben schnell hier eingeschleppt?! Denken Sie eigentlich gar nicht, Weasley?!“, donnerte Severus, der schon immer gewusst hatte, dass alle Gryffindors Schwachköpfe und Rotschöpfe meist die Schlimmsten der Meute waren. Das bewies es ihm nur noch deutlicher.

„Er ist mein Gefährte!“, zischte Percy. „Ich hab jedes Recht, ihn mit hierher zu nehmen und ich habe nicht vor, ihn wieder gehen zu lassen! Also! Behandeln Sie ihn! Oder muss ich wirklich erst den Lord bitten, Ihnen zu sagen, Ihren verdammten Job zu machen?!“

Im ersten Moment wollte Severus noch was sagen, doch dann sah er, wie das Tier auf dem Behandlungstisch ein seltsames Geräusch von sich gab und in sich zusammenbrach. Es war ein Tier bei Merlin. Selbst, wenn es ein Animagus war. Was konnte schon groß geschehen? Eine Person? Pah! Sollte Weasley doch seinen Willen haben! Er würde wohl kaum Potter anschleppen. Oder Dumbledore. Uh – widerliche Vorstellung, aber unterhaltsam. Nein, das Vieh sah nicht alt genug für den Irren aus. „Auf Ihre Verantwortung“, knurrte Severus, packte den Kopf des Tieres, begann dann, es systematisch abzutasten, sprach zwei starke Diagnosezauber.

Was? Harry versuchte, zu verstehen. Todesserzentrale? Hauptquartier? Snape im Morgenmantel…? Warum wurde alles um ihn herum so wattig? Er wusste es nicht, sackte schließlich in sich zusammen. Später. Er würde später über das Gehörte nachdenken.

Okay, das war seltsam, nein, das war besorgniserregend! Severus hatte eindeutig ein Folteropfer vor sich! Wer war der Kerl vor ihm? Ein Erkennungszauber schlug vollkommen fehl, er würde eine Blutanalyse machen müssen, für die er erst mal einen komplizierten Trank zubereiten musste. Das Einzige, was er erkannte war, dass Weasley nun… abartig war.

„Nun?“, fragte Percy, der immer unruhiger wurde.

„Der Bengel da vor Ihnen ist etwa fünfzehn Jahre alt, die Zauber sagen, er ist kein Animagus, er muss was Anderes sein“, gab Severus mit unbewegter Miene weiter, grinste aber innerlich, als er sah, wie Weasley bleicher wurde, als er das Alter des Viehs vernahm. „Er hat innere Verletzungen, zwei Brüche, eine offene Wunde, ist dehydriert, halb verhungert und hat zahlreiche Narben unter dem Fell.“ Ein Kind. Weasley hatte ein Kind angeschleppt. Das machte gleich noch mehr Kopfweh. Nun, zumindest hatte der Idiot keine Gefahr hierher gebracht. Rasch öffnete er die Schnauze des zum Glück bewusstlosen Viehs, begann, Tränke durch dessen Hals zu massieren, wusch dann die Wunde mit einem Trank aus und strich eine Salbe darüber. „Mehr kann ich nicht tun. Bring das Vieh in dein Zimmer und sag ihm Bescheid, dass du einen Dauergast angeschleppt hast. Ansonsten bring ihn in zwei Tagen vorbei, wenn er zu viel Schmerzen hat, eher. Dann sollte er auch wieder morphen können. Sonst noch was?“

„Ich werde ihn sicher nicht allein lassen, um Irgendwen zu informieren“, knurrte Percy kalt, hob den Schneeleoparden wieder auf seine Arme. „Machen Sie das doch! Ich hab besseres zu Tun!“, mit den Worten stürmte er raus, genervt von den Vorurteilen des Mannes, der sich hier so erstaunlich viel rausnehmen durfte, nur, weil er der Liebling von Voldemort war, warum auch immer. Die genauen Gründe wollte er gar nicht wissen, die Gerüchte waren mehr als verstörend genug.

„Ja, ja. Schiebt nur immer alles auf den armen Tränkemeister“, knurrte Severus, der seine Robe zurechtzupfte, die Phiolen ordentlich zusammenstellte und schließlich zum Kamin trat. Musste er schon wieder in den sauren Apfel beißen! Voldemort würde BEGEISTERT sein…

Percy dagegen lief hastig in die Gemächer, die ihm hier zur Verfügung standen. Selbstverständlich besaß er auch eine kleine Wohnung ganz in der Nähe des Ministeriums, in dem er ja auch arbeitete, sogar als rechte Hand des Ministers, doch er nutzte sie eigentlich gar nicht, sie war nur sein Alibi. Er war fast nur noch hier, wenn er nicht gerade arbeitete und im Moment war Sommerpause, kein Politiker würde einen Finger rühren. Eine Zeit, die er genoss. Vielleicht jetzt noch etwas mehr. Rasch legte er den Leoparden auf sein eigenes Bett, setzte sich dann dazu und strich über das Fell, sprach dann einen Reinigungszauber, der zumindest Nesseln, Blätter und Erde entfernte, bevor er das zu dünne Tier hinter den Ohren kraulte.

Ein Gefährte. Er hatte also doch Jemanden. Mit so was hatte Percy nie gerechnet. Er hatte immer gewusst, er war anders, als seine Geschwister, hatte gedacht, dass es Liebe für ihn nicht gab. Um seine Mutter von seinen Versen zu bekommen, hatte er eine Weile lang so getan, als habe er eine feste Freundin, hatte es sogar eine Zeit lang ernstlich versucht, aber es hatte gar nichts geklappt, nicht mal einfacher Sex. Schon überhaupt nicht mit einer Frau.

Auch, wenn er mal bei einer Tour durch Clubs oder Kneipen einen Kerl aufgegabelt und ihn genagelt hatte, war der sexuellen Befriedigung eine gewisse Unwilligkeit gefolgt, das Gefühl, etwas Dreckiges getan zu haben. Nun, jetzt hatte er was Besseres, als die Anderen. Er musste sich keine Sorgen mehr machen. Auch, wenn sein Gefährte laut Severus noch recht jung war. Allein ihn zu haben gab ihm ein gutes Gefühl und ganz ehrlich – welcher Teenager war dem Sex schon abgeneigt? Außerdem war er selbst auch nur fünf Jahre älter. Aber erst mal galt es, den Jüngeren aufzupäppeln und mehr über ihn zu erfahren, schloss Percy für sich, morphte automatisch in seine Animagusgestalt, legte sich um den Jüngeren, leckte über dessen Fell, legte seinen Kopf auf den Hals seines Gefährten und schlief zufrieden ein.

 

 

Nachdenklich saß Luna in ihrem Zimmer zu Haus am Fenster und blickte hinaus in die Sonne. Sie mochte die Hitze nicht sonderlich, die gerade draußen herrschte, nun, Anfang August. So wenig, wie ihre Mutter sie gemocht hatte. Sie blieb dann lieber hier, wo es, dank eines einfachen Zaubers, angenehm war, nicht zu heiß, nicht zu kalt. Meist las oder malte sie. Oder sie schlief, um dann abends, wenn es kühler war, raus zu gehen und die Sterne zu betrachten. Die Himmelskörper redeten mit ihr, erzählten ihr Sache, so, wie andere Dinge um sie herum, hatten sie schon immer getan, doch außer ihrem Vater, früher ihrer Mutter und jetzt Neville und Harry glaubte ihr Niemand.

Die Leute hielten sie in der Regel für leicht verrückt, das wusste sie, die Meisten wollten sie nicht in der Nähe ihrer Kinder haben, weil das ja ansteckend sein könnte. Dabei sah sie nur mehr als andere. Sie hatte sich nur früh angewöhnt, nicht mehr Alles zu sagen. Oder in Rätseln zu sprechen. Von Nargeln und Niggeln. Kaum Jemand hatte sich die Mühe gemacht, genauer zuzuhören.

Bis auf Neville, den sie vor zwei Jahren im Gewächshaus kennengelernt hatte, als der sich da verkrochen hatte, so, wie sie selbst. Sie hatte mit den kleinen Feen auf den Blumen gesprochen, er hatte einfach nur einigen Pflanzen geholfen. Sie waren inzwischen gut befreundet, mit ihm redete sie auch durchaus etwas häufiger. Er hatte ihr auch das erste Mal von Harry erzählt, dass der Junge ihn in Schutz nahm, jedes Mal wieder, vor Slytherins, vor Professoren, vor den eigenen Freunden. Dass der angebliche Held anders war, als Alle sagten.

Erst damals hatte sei begonnen, Harry zu beobachten, gesehen, wie anders er war und dieses Jahr hatte sie ihn dann kennen gelernt. Er saß, wie sie, oft ganz still da, doch er hörte nicht zu, er verkroch sich in sich selbst, wenn er das tat. Er hatte in dem Jahr an diesem Turnier teilgenommen, obwohl er nicht wollte, er hatte in diesem Jahr wohl mehr verloren, als vorher.

Doch Luna wusste auch, dass er in diesem Jahr mehr gewinnen würde, als je zuvor. Die Sterne hatten es ihr gesagt. Er hatte einen steinigen Weg vor sich, doch auch einen, den er nicht mehr allein beschreiten musste. Oh, Harry war der Retter, doch nicht so, wie die meisten Magier sich das inzwischen wohl erhofften. Es würde am Ende zu Frieden führen, doch es war einer, der vermutlich vielen Magiern gar nicht gefallen dürfte, vor Allem nicht dem Direktor.

Oh, sie wusste, Dumbledore war ein gemeiner Mann und hatte ihre Mutter auf dem Gewissen, weil sie wie Luna auch Dinge einfach gewusst hatte. Zum Beispiel, dass der Mann gemein und gierig war, Dinge tat, die nicht gut waren. Mama hatte sterben müssen, weil sie wusste, dass die Prophezeiung völlig dumm und irrelevant war, dass man nur versuchte, einem Anderen das Leben schwer zu machen.

Was der Direktor nicht wusste, war, dass sie das beobachtet hatte. Mama hatte sie damals ganz schnell in ein geheimes Versteck gesetzt und sie stumm gezaubert, gerade, als zwei Männer gekommen waren, beide in komischen Roben und mit Masken, aber keine Todesser. Sie hatten Mama gefoltert und getötet und sich dann, direkt über ihr stehend, darüber unterhalten, dass Dumbledore zufrieden sein würde. Doch sie hatte es gehört – und es sich gemerkt. Sie wusste, bald würden viele Geister Ruhe finden, wenn ihr wahrer Mörder endlich bestraft werden würde.

Einer derer, die zu diesem Fall beitragen würden, war Harry. Durch ihn kam die Wende und sie würde in wenigen Monaten fühlbar werden. Ja, auch das wussten die Sterne. Luna hatte gelernt, zu sehen, Dinge zu begreifen, die ihr vorher sinnlos erschienen waren.

„Kind, sitzt du schon wieder allein hier?“, fragte Xeno leise und besorgt, trat zu seiner Tochter, strich über ihre Haare. Sie war ihrer Mutter so ähnlich!

„Mach dir keine Sorgen, Papa“; lächelte Luna. „Du weißt doch, ich mag die Hitze nicht und die Nachbarskinder denken, ich bin gestört. Ich sehe lieber den Elfen und Nymphen zu und gehe abends raus.“

„Oh, Kleine“, murmelte Xeno, blickte besorgt auf seine Tochter. Ja, sie war wie ihre Mutter, wissend, anders und nur dank ihres Verhaltens uninteressant für den Mann, der ihm schon die Frau genommen und sein Kind traumatisiert hatte. Er hatte seine Tochter gefunden, in ihrem Versteck, unter einem Stillezauber, regelrecht gebadet im Blut der Mutter, verstört, nicht ansprechbar. Die Kleine hatte zwei Jahre gebraucht, um zu reden, um wieder zu sich zu kommen und ihm zu erzählen, was sie gesehen hatte. Seit damals grub er in Schichten von Dreck, die der Alte versteckt hatte. Doch er wusste, noch war nicht die Zeit, das zu veröffentlichen. Er hatte viel, erschreckend viel gefunden und zu einem späteren Zeitpunkt würde er es mit Freuden drucken, aber noch nicht jetzt.

„Papa, wirklich“, konterte Luna. „Es ist in Ordnung, ich habe Neville, er hat wieder geschrieben und gemeint, wir können uns mal treffen und ich habe Harry, auch, wenn der gerade nicht schreiben kann. Bald, Dad. Bald. Dann werden wir eine neue Wahrheit haben, eine bessere, eine, die wahrer ist. Und Mama wird gerächt sein.“

„Ich weiß, mein Kleines…“

 

 

Erschrocken wirbelte Percy, immer noch in seiner Pantherform, herum, stellte sich automatisch über seinen immer noch sedierten, bewegungslosen Gefährten, als die Tür sich öffnete. Er fletschte die Zähne, nur um sich direkt wieder zu beruhigen. Sanft leckte er über den Kopf seines Kleinen, bevor er morphte, feststellte, dass sein Hemd Spuren von Erde und getrocknetem Blut aufwies. Ein Blick auf seine Uhr zeigte ihm, dass er nicht mehr als zwei Stunden geschlafen haben konnte. Knapp neigte er den Kopf. „Lord“, sprach er ruhig. „Tee?“

„Ja“, nickte Tom, sah auf das Bett, setzte sich auf einen Stuhl, den er näher zu dem Bett zog und den Schneeleoparden betrachtete, der da lag. Es war ein sehr mageres Tier, dessen helles Fell sich stark von der dunkelblauen Satinbettwäsche seines jüngsten Generals abhob. Es hatte sich in sich selbst zusammengerollt, sah auch eher klein aus, bedachte man, dass es eigentlich eine Großkatze sein müsste. Nun, vielleicht wuchs er ja noch. Sev hatte ihn geholt und es ihm erklärt, anschließend war er aber zu abgelenkt gewesen, um seinen jungen General direkt zu rügen. Und jetzt, wo er die Beiden gesehen hatte, der rote Panther und der weiße Schneeleopard, konnte er es Percy nicht übel nehmen. Er wusste, wie es war, Jemanden zu finden. Zudem löste dieses Häufchen Elend sogar in ihm einen gewissen Beschützerreflex aus, einen, den er lang nicht mehr gespürt hatte, schon gar nicht so stark. Es war Jahre hier…

Percy nickte, stand auf und ging zu seiner kleinen Kochecke, wo er selbst Wasser aufsetzte. Er fand, Hauselfen konnten einfach keinen so guten Tee oder Kaffee machen oder mit so viel Herz kochen, wie Menschen. Sicher, die Mühe zu kochen machte er sich nicht, aber er bestand auf guten Kaffee und er würde keinem Gast schlechten Tee vorsetzen.

Er beobachtete seinen Lord, wie der seinen Geführten studierte, aber ohne Diesen anzufassen. Gut, er wusste nicht, wie er darauf reagiert hätte.  Kurz trat er vom Kessel weg, deckte den Leopard zu, der zu frieren schien, nun, da er nicht mehr neben Diesem lag, dann goss er das Wasser auf den Tee, gab dem Lord die Tasse und nahm seinen Kaffee, setzte sich auf sein Bett neben seinen Gefährten, überschlug in Ruhe seine Beine. Sie waren unter sich, da musste es nicht ganz so formell sein. „Er führt Euch hierher?“, fragte Percy ruhig, strich leicht über den Kopf des Tieres.

„Ja. Ehrlich gesagt, bin ich etwas verärgert, dass du es mir nicht selbst gesagt hast.“

„Ich habe Snape gebeten, es sofort zu tun, ich hatte meinen Kopf … woanders. Ich bin immer noch schockiert, dass er so jung und so verletzt ist. Ich denke, er wurde gefoltert, hat sich dann gemorpht um sich zu schützen oder zu entkommen, ohne zu wissen, was er getan hat und ich fürchte, er wird sich auch nicht aus dieser Form befreien können, nicht so bald auf jeden Fall.“

„Er ist kein Animagus, Se… Snape sagt, er hatte kleine Flügel.“

Percy hob eine Augenbraue. Ja, an einigen Gerüchten schien erschreckend viel dran zu sein, kein Bild, das er gerade gebrauchen konnte. Nun, zumindest sah der Lord wie ein gut gebauter Mann mittleren Alters aus und auch Snape hatte was, mit gewaschenen Haaren und ohne die hochgeschlossenen Roben.

„Es ist leider nicht so, als könnte ich ihn fragen“, gab Percy ruhig zurück. „Ich denke, Snape wird eine Blutprobe genommen haben, um einen Identifikationstrank zu brauen. Ich kann die drei Monate warten, er ist für viele Dinge ohnehin noch sehr, sehr jung.“

„Das… hat noch nie Jemanden aufgehalten“, grinste Tom nur, dachte an seine erste Begegnung mit seiner Geliebten. Sie war damals kaum vierzehn Jahre gewesen und nur zwei Wochen später, an ihrem vierzehnten Geburtstag hatten sie… nun, Spaß gehabt. Mehrfach, den gesamten Tag lang. Oh, wie hatte er sie geliebt….

Percy hob eine Augenbraue, enthielt sich jeglichen Kommentars. Er war noch nie ein Freund von zu schnellem Handeln gewesen. Er ging einige Dinge immer lieber langsam an. Dann hielten sie definitiv besser. „Er hat viel durchgemacht…“

„Mehr als du bisher weißt“, gab Tom ruhig zurück.

Abrupt wurde Percy starr, eine Hand legte sich auf die kleine Kugel unter der Decke. „Bitte?!“

„Snape hat sich vermutlich nicht getraut, etwas zu sagen, aber vermutlich gibt es kaum einen Knochen bei deinem Gefährten, der nicht schon mal gebrochen gewesen zu sein scheint.“ Tom beneidete seinen General wirklich nicht um das, was dem vermutlich bevorstand, da war es wirklich gut, dass der Beste eine unglaubliche Geduld an den Tag legte, so, dass selbst Fudge mit ihm klar kam. So war Percy zu einem seiner besten Spione geworden und sein General, ein Stratege, der Lucius um nichts nachstand und mindestens so fies in Duellen sein konnte, wie Severus.

Sekundenlang reagierte Percy gar nicht, anschließend legte er die Decke zurück, blickte auf den Schneeleoparden, strich sanft über dessen Fell, deckte ihn wieder zu. „Nun, hier wird er sich nichts brechen und wenn ich ihn in Wolle gewickelt unter eine Glaskugel setzen muss“, konterte er. „Außerdem werde ich Jeden zur Verantwortung ziehen, der seine Finger in der Sache hatte. Langsam und quälend.“

Tom lachte leise. „Ich habe nichts Anderes von dir erwartet, mein junger General,“ gab er nur zurück. Er mochte es, wenn Leute die Wahrheit sagten, statt darauf zu beharren, dass sie in ein überaltertes, leicht erpressbares Rechtssystem glauben würden und sich am Ende doch meist wünschten, dass sie die Sache selbst in die Hand genommen hätten. „Und ich muss sagen, ich bin sehr gespannt darüber, wer sich hinter dem Fell verbirgt, was er ist. Denn ein Magier kann kein magisches Tier werden. Nun, Se… Snape wird das schon zu klären wissen.“ Ja, er mochte es, wenn Leute zu ihren Gefühlen standen. Seltsamerweise tat das bei den Weasleys scheinbar nur einer. Auch setzte nur einer sein Hirn ein, um nachzudenken, über das, was wirklich um ihn herum geschah. „Nun, bis wir wissen, wer er wirklich ist, wäre es mir lieb, wenn du vorsichtig bist.“

„Ich werde ihm nichts verschweigen, er ist mein Gefährte, mein Tier hat ihn erkannt und gefunden. Aber wenn er auf der falschen Seite sein sollte, werde ich ihn hier behalten, bis alles um ist, wobei ich eigentlich sicher bin, dass einige Informationen ihn schnell umstimmen würden. Auch er kann nicht gegen seine Instinkte ankämpfen. Konnte er schon nicht, als ich ihn gefunden habe.“ Percy strich über den reglos da liegenden Kopf. „Ich denke, so, wie er beieinander ist, dürfte er vom Krieg ohnehin die Nase voll haben…“

„Ich will informiert werden, sobald Severus‘ Ergebnisse vorliegen“, verlangte Tom, merkte nicht, dass er den Vornamen des Tränkemeisters benutzte. Er musterte den Katzenkopf des Neuankömmlings noch mal, trat dann zur Tür. „Du bist von den Sitzungen befreit, bis er wieder wach ist, anschließend brauche ich dich wieder. Melde dich dann. Nimm den da ruhig mit.“

Percy nickte, stellte beide Tassen beiseite, wartete, bis der Andere ging, bevor er erneut morphte und sich anschließend unter der Decke wieder um den Kleineren zusammenrollte. Er spürte, wie der sich wieder etwas entspannte, sich zu beruhigen schien.

 

 

„Und?“, fragte George lachend, drehte sich um die eigene Achse. „Ich finde, das ist genial! Überleg nur, was für einen Erfolg wir haben könnten!“

Ein weiteres Mal huschte Freds Blick über den Raum. Das große Schaufenster musste gesäubert werden, aber es hatte eine schöne Auslagefläche, Regale säumten die freien Wände, sie waren leer, in einigen davon hatten sich Spinnen breit gemacht, die Theke stand verwaist, dahinter weitere Regale. Sogar eine noch funktionierende Kasse befand sich dort und er wusste, im hinteren Teil waren mehrere Räume, es gab einen Keller und über dem Laden eine Wohnung für seinen Bruder und ihn, die ihnen mehr bot, als sie im Fuchsbau je an Platz gehabt hatten. Nur für sie beide allein, musste man noch mal betonen.

Im Zimmer direkt hinter dem Verkaufsraum konnte man ein Lager einrichten, im Keller war ein idealer Platz für das Tränkelabor, das sich brauchen würden. Dazu war das Gebäude ein Schnäppchen, weil Niemand es kaufen wollte, nach dem letzten Angriff, bei dem der Vorbesitzer schwer verletzt worden war. „Es ist gut“, stimmte er daher seinem aufgeregten Bruder zu, sah zu dem Besitzer, der sichtlich froh zu sein schien, ernste Interessenten zu haben. Etwas, das schwer war, da hier immer wieder Diebstähle und Einbrüche waren, nicht zu vergessen, dass der dunkle Orden wohl mehr als einen Überfall hier in der Gegend begangen hatte. „Wir nehmen es.“

Er ließ zu, dass George den Mann auszahlte, sah sich dann um. Sie hatten, dank ihrem geheimen Investor, besten Freund und Ehrenbruder, mehr als genug Geld, um auch ein Labor aufzubauen und bis zum Ende der Ferien die Lager zu füllen. Die Wohnung hatte Zeit, sie brauchten nicht viel. Das konnte warten, bis sie Gewinn erwirtschafteten, etwas, das nicht lang dauern würde, denn sie hatten jetzt schon viele Bestellungen und durchaus auch Einnahmen, denn sie hatten ja schon für Andere produziert.

„Fred?“, fragte George leise, als sein Bruder sich, zehn Minuten nachdem der Mann aus nun ihrem Haus gegangen war, noch immer nicht gerührt hatte. „Woran denkst du?“

„Dass ich sie nicht verstehe. Wir haben nichts getan um zu verdienen, was sie mit uns gemacht hat“, konterte der angesprochene. „Komm, gehen wir hoch, ich will die Sachen aus den Taschen haben.“ Er lief nach oben, in die Wohnung, die auch zum größten Teil voll möbliert war, es gab zwei Schlafzimmer, ein Gästezimmer, ein Wohn und Esszimmer, eine Küche und ein geräumiges Bad, der einzig wirklich leere Teil waren Wohn und Esszimmer, die Küche war wie das Bad voll ausgestattet, sogar ein Bett war hier geblieben, bei dem überhasteten Auszug. Und zwei Hauselfen, die ihre neuen Besitzer gerade mit großen Augen musterten. „Räumt die Sachen bitte weg“, befahl Fred den kleinen Kreaturen, behielt aber den Koffer mit Zutaten, Produkten und dem Katalog, den sein Bruder und er zusammengestellt hatten, bei sich, setzte sich dann auf den Boden, rieb sich den Kopf. Er wusste, George sah das nicht so hart, wie er, doch ihn nahm es immer noch mit.

George ließ sich neben dem Anderen fallen, zog seinen Zwilling in seine Arme. „Freddie, die sind alle irre“, konterte er. „Und wenn unsere Mutter meint, dass neutral sein heißt, dem dunklen Orden beizutreten, ist das nicht unser Problem. Wir haben hier ein Leben und wir haben Freunde, ob die Anderen es wollen oder nicht.“

Oh ja, ihre Eltern hatten sie tatsächlich vor drei Nächten aus dem Haus geworfen, mit all ihren Besitztümern, sie inoffiziell verstoßen. Öffentlich hatten sie das nicht machen können, einfach, weil das einen riesigen Skandal gegeben hätte und das nur, weil sie nicht bereit gewesen waren, dem Orden des Phönix beizutreten, doch allein als sie gesehen hatten, dass Dumbledore verlangte, dass sie auf ihre Magie schwören mussten, zu gehorchen, was immer der Mann sagte, hatte sie gründlich abgeschreckt. Schon als Kinder hatten sie dauernd nach dem Warum gefragt, Dinge, die sie verstanden hatten, nicht getan. Mal ganz davon zu schweigen, dass sie keine Lust hatten, in einem Krieg zu kämpfen, den sie nicht verstanden. „Ich meine, was erwartest du von einer Mutter, die nicht mal ihre eigenen Kinder auseinander halten konnte?!“

Ja, das war noch so eine Sache, an der Fred immer zu knabbern gehabt hatte, die Tatsache, dass ihre Mutter bis zum Schluss nie gelernt hatte, sei auseinander zu halten, dabei hätten George und er unterschiedlicher nicht sein können. Nicht ein einziges Mal hatte Harry sie verwechselt, hinter ihre Masken geblickt. So war der Knirps, wie sie ihn oft nannten, ihr Freund geworden. Auch Oliver Wood hatte nie ein Problem gehabt, sie zu unterscheiden. Nur ihre Eltern schienen unfähig dazu zu sein.

„Komm schon, großer Bruder“, lächelte George. „Wir werden uns jetzt ein eigenes Leben mit einem erfolgreichen Geschäft, viel Geld und Erfolg aufbauen, dann werden wir Harry entführen und ihn bei uns einquartieren, damit ihm nichts mehr passieren kann. Und ich will mit Bill reden, ich wette, er hat nichts dagegen, starke Schutzzauber für uns zu errichten. Charlie wird auch helfen. Und Perc. Er mag ja nen Stecken im Hintern haben, aber er war immer da, wenn wir ihn gebraucht haben.“

„Das war vor dem Streit“, gab Fred leise zu bedenken. Ja, auch er würde sich freuen, wenn ihre Brüder zu ihnen halten würden, doch Bill und Charlie hatten auch unmissverständlich klar gemacht, dass sie im Ausland zu bleiben gedachten und kein Interesse irgendeiner Art hatten, sich in Streitigkeiten, seien sie familiär oder kriegsbedingt einzumischen. Sie hatten im Grunde nichts Anderes getan, doch bei ihnen hatte Molly vollkommen überreagiert und statt wie bei den Anderen zu sagen, dass sei ihre Meinung schon ändern würden, hatte sei sie geschmissen.

„Mag sein, aber bei Perc bin ich mir sicher“, konterte George, der wusste, dass hinter ihrem Präfektenbruder weit mehr steckte, als der Langeweiler, der im Ministerium beim Minister arbeitete. Denn auch, wenn der Ältere es heimlich und im Stillen gemacht hatte, er hatte sich für jeden Streich heftig gerächt und sie so erst auf einige ihrer besten Ideen gebracht. Immer, wenn einer von ihnen bei Quiddich verletzt worden war, war der Ältere bei ihnen gewesen, wenn sie in der Krankenstation aufgewacht waren, hatte ihnen von seinem eigenen, mühsam mit Nachhilfe verdienten Geld Schokofrösche mitgebracht und er war der Einzige in der Familie, der sie auseinander halten konnte, der wusste, wie sanft Fred im Grunde war.

„Ja“, nickte Fred schließlich, ließ seinen Kopf auf die Schulter des Bruders fallen. „Du hast Recht, Percy war immer da. Sagst du ihm gleich Bescheid und fragst ihn, was ihm wegen Schutzzaubern einfällt? Ich will in der Zeit das Labor einrichten und unsere Sachen ins Lager stellen.“

„Du weißt, dass wir stolze Besitzer von zwei Hauselfen sind?“, fragte George mit hochgezogener Augenbraue.

„Ich muss selbst wissen, wo die Sachen sind, die ich täglich brauchen werde“, erinnerte Fred seinen Bruder lächelnd. „Außerdem muss ich mich ablenken. Schreibst du nachher an Harry?“

„Hatte ich vor“, nickte George, seufzte dann. „Ich mach mir Sorgen um ihn, du weißt, dass er in Ced verliebt war?“, fragte er schließlich.

„Oh ja, das hat ein Blinder sehen können“, gab Fred zurück. „Darum mach ich mir ja so viele Sorgen um ihn. Er ist allein bei diesen Schweinen, ohne Jemanden, der ihm hilft und in den letzten Tagen nach dem Turnier konnten nicht mal wir in die Krankenstation schleichen…“ Oh ja, das war es ja, was sie so an Dumbledore anpisste. Die Tatsache, dass der Harry gegen Ende vollkommen isoliert, ihn allein gelassen hatte, nach dem, was gerade erst geschehen war. Es gab so Vieles, was sie Beide dazu bewogen hatte, nicht den Brathühnchen beizutreten.

„Wir werden einfach versuchen, Harry zu besuchen“, beruhigte George den Anderen, strich über dessen Haare. „Unser kleiner Bruder wird sich freuen, uns zu sehen.“

„Ja, wenigstens einer.“ Doch dann riss Fred sich zusammen, stand wieder auf. „Komm, Georgie, an die Arbeit. Schreib den Brief, ich fange an, unsere Vorräte aufzustocken und dann setz ich die ersten paar Portionen Fieberdrops und Spinnbonbons auf.“

„Vergiss die Psychospinnen nicht“, grinste George, der gerade dieses Produkt liebte, das viele der jüngeren Jungen kauften, um ihre Mütter oder Schwestern zu erschrecken, aber er liebte es einfach, weil es Ron hasste. Oh, er hasste ihren jüngsten Bruder, der so arrogant war, Harry im Turnier, wo er Hilfe gebraucht hätte, so verraten hatte. Aus Eifersucht, um es noch schlimmer zu machen. Statt sich zu freuen und ihn zu unterstützen, hatten sie ihn hintertrieben und verraten! Selbst die Slytherins hatten Harry am Ende heimlich geholfen, nur Ron hatte Diesen verletzt wo immer es gegangen war.

„Ganz sicher nicht…“

 

 

„Na?“, fragte Percy leise, strich über die Wangen des Schneeleoparden, dessen Augen sich langsam öffneten. „Geht es dir besser, Kleiner?“ Er lächelte beruhigend, betrachtete den Anderen, der fast zwei Tage reglos auf dem Bett verbracht hatte. Vollkommen ausgeknockt von den Tränken, so sehr, dass er Zaibini hierher gerufen hatte, damit der kontrollierte, dass Snape nichts Wesentliches übersehen hatte. Der Heiler hatte einige Nährtränke in den Magen des Wesens gezaubert und gemeint, dass es Dinge gäbe, die eben Zeit bräuchten.

Harry blinzelte, musterte den Älteren, der seinen Kopf hielt, ihn vorsichtig streichelt. Etwas, das sich einfach zu gut anfühlte, wie er gestehen musste. Auch, wenn es seltsam war, aber ihm war warm, er hatte kaum Schmerzen und es war bequem, wo immer er sich gerade befand, er hatte sogar ohne Alpträume geschlafen, fühlte sich überraschend erholt, besser, als seit langer Zeit. Wach genug, um weiter zu laufen, wenn es notwendig wäre, doch etwas sagte ihm, dass der Rotschopf vor ihm ihn nicht gehen lassen würde.

„Hunger?“

Hunger? Gott! Wie konnte der Andere das fragen? Er hatte ewig kaum noch was gegessen, er hatte.. Hunger! Also nickte Harry schließlich, unsicher, hoffend, etwas zu bekommen und nicht ausgelacht zu werden. Das war ihm schließlich auch mehr als ein Mal geschehen und es würde ihn nicht wundern, wenn es wieder passieren würde.

„Gut, du bist viel zu dürr“, erklärte Percy, froh, dass das wohl keinen Kampf geben würde. „Kannst du morphen?“, fragte er schließlich. „Zu einem Menschen werden?“

Augenblicklich schüttelte Harry den Kopf. Ganz sicher nicht! Niemals würde er freiwillig wieder zum Menschen werden! Davon hatte er die Schnauze so was von voll! Das wollte er nie, nie wieder! Und er wusste auch gar nicht, ob er es konnte, denn wie er zu dem geworden war, was er war, wusste er genauso wenig! Außerdem fühlte er sich hier, so, wie er jetzt war, viel besser.

„Das hatte ich befürchtet“, murmelte Percy, der sich immer noch nicht sicher war, ob es sich bei dem nicht können um Unwillen oder Unfähigkeit handelte. Aber das würde die Zeit schon zeigen. „Ich werde es dir beibringen, wenn du besser beieinander bist“, erklärte er schließlich, strich über das weiße, immer noch stumpfe Fell. „Und wie nenne ich dich?“, fragte er, mehr sich selbst, als das Tier, während er aufstand, dem Anderen deutete, ihm zu dem kleinen Sofatisch zu folgen. Für sich hatte er ein Frühstück mit Rührei und Speck auf einem Teller, Dasselbe für den Anderen, allerdings in einer Schale, weil es sonst nur eine riesige Sauerei geben würde, dazu ein Schälchen mit Milch für den Kleinen, für sich selbst starken Kaffee.

Harry starrte auf den Tisch vor sich, stellte sich vorsichtig auf seinen Beine, hüpfte dann von dem Bett. Wow, er hätte nie gedacht, dass Percy ihn da würde schlafen lassen! Dann hüpfte er irgendwie auf den Stuhl, seltsam glücklich, dass der Andere ihn nicht zwang, auf dem Boden zu essen, sah begeistert in die Schüssel. Speck! Er hatte Fleisch so vermisst! Nur konnte er absolut nichts Ungekochtes essen. Oder jagen, denn jagen war töten und er wollte nicht zum Mörder werden! Wirklich nicht! Um keinen Preis der Welt!

Amüsiert beobachtete Percy, wie sein Gegenüber vorsichtig fraß, sichtlich bemüht, keinen Dreck zu machen und mindestens so ungeübt. Was man vor Allem an der Milch sah, die trotz der Bemühungen zu allen Seiten spritzte, weil der Jüngere es nicht gewohnt war, in dieser Form zu stecken. Nun, er war keine fünfzehn Jahre alt, jünger, als sein eigener, jüngster Bruder. Irgendwann legte er dem Kleinen einige Stücke angebratenes Geflügelfleisch in den Napf, während er nur einen zweiten Kaffee trank und sich zurücklehnte.

Harry genoss das Gefühl eines vollen Magens, es war lang her, dass er auch etwas Fleisch bekommen hatte, dazu das Ei und die Milch, die allerding so wie schon das Wasser von dem Tümpel vor einigen Tagen, in alle Richtungen spritzte. Als er die Tropfen beseitigen wollte, wurde er allerdings aufgehalten, die Tropfen verschwanden, dafür füllte sich die Schale mit der köstlich süßen Milch noch mal für ihn.

Percy wartete, bis der Jüngere offensichtlich fertig getrunken hatte, eine Prozedur, die etwas länger dauerte. „Satt?“, fragte er freundlich, hielt dem Anderen die Hand hin, wartete, bis der Leopard zu ihm kam, streichelte Diesen. „Ich weiß, dass du Angst haben dürftest“, stellte er fest. „Ich weiß, du verstehst vieles nicht, ich will nur, dass dir klar ist, dass du sicher bist, egal, wie es aussehen mag. Ich will, dass du die erste Zeit nicht von meiner Seite weichst. Bekommst du das hin?“

Wirklich? Jemand wollte Harry haben? Ihn!? An der Seite?! Wirklich?! Automatisch nickte er, ließ sich nur zu gern streicheln, er konnte nachher auch nicht sagen, wie es geschah, aber auf ein Mal saß er auf dem Schoß des Älteren, den Kopf auf dessen Schulter.

„Du bist wirklich ein komischer, kleiner Kautz“, stellte Percy fest, kraulte den Anderen. „Neveo. So werde ich dich nennen, mein Weißer. Neveo. Zumindest, bis ich weiß, wer du hinter deinem Fell bist.“ Er lächelte, als eine Art Schnurren als Antwort folgte, setzte das Tier auf den Boden. „Und jetzt, mein Süßer, bekommst du ein Halsband von mir, damit Niemand es wagt, dich anzufassen, danach muss ich langsam mal wieder was tun.“ Damit hob er das Band auf, das Tom ihm in der Nacht durch eine Hauselfe geschickt haben musste. Es war einfach und silbern, mit einem fast durchsichtig blauen Aquamarin, in dem seine eigenen Initialen waren und Zauber waren in den weichen Stoff des Bandes gewoben, auch einer, der es seinem kleinen Gefährten nicht möglich machen würde, über das zu reden, was hier geschah. Eine Vorsichtsmaßnahme, die leider vorerst nötig war, die den Anderen aber auch schützen sollte.

Wenig begeistert starrte Harry auf das Band, der Name, mit dem konnte er leben, aber er wollte nicht wieder eine Kette haben! Er…! In dem Moment legte das Band sich ums einen Hals. Es war nur Stoff, nichts, das man nicht kaputt machen konnte, es fühlte sich sogar ausgesprochen angenehm an. Also ließ er es schließlich zu.

„Danke, Kleiner“, lächelte Percy zufrieden, er küsste Neveo auf den Kopf, dann stand er auf, öffnete die Tür und ging voran, dicht gefolgt von dem weißen Leoparden, der sich eng an ihn drückte, eindeutig nervös und ängstlich, aber er folgte ihm. Erst kurz in den Garten, wo Neveo wie erwartet in einem Affenzahn hinter dem nächsten Gebüsch verschwand, anschließend zurück ins Haus. Percy wusste, er musste ins Büro zurück, zum Minister, ob er wollte oder nicht und seinen Job wieder aufnehmen. Das Wochenende war vorbei, er musste arbeiten. Nun, er konnte ja Neveo mitnehmen. Zumindest das. Aber erst mal…

Rasch lief Percy zu Toms Büro, klopfte und trat ein, als die Tür sich von selbst öffnete. Knapp nickte er dem Mann zu, der da am Tisch saß und, was man gar nicht erwarten würde, Papierarbeiten erledigte. „Tom“, sprach er ruhig.

„Percy“, lächelte der Mann mit den dunklen, welligen, leicht zurückgebundenen Haaren, sah dann auf den Schneeleoparden, der sich hinter seinen Gefährten verkrochen hatte und nur vorsichtig hinter diesem vor lugte. Er sah nicht mehr katastrophal aus, aber doch sehr dünn und noch etwas schwach. Außerdem hatte er an einigen Stellen sehr, sehr wenig Fell.

Percy lächelte knapp, setzte sich auf den Stuhl gegenüber des Älteren, strich weiterhin beruhigend über den Kopf des nun wieder verängstigten Schneeleoparden, der die Ohren nun eng am Kopf angelegt hatte, sicher wusste Neveo nicht, wer da saß, doch trotzdem hatte Dieser Angst. Vermutlich hatte er das schlicht ganz generell. „Darf ich Neveo vorstellen? Solang ich nicht weiß, wie sein richtiger Name ist, werde ich ihn so nennen. Wobei ich der Meinung bin, dass der Name gut zu ihm passt.“

Tom erhob sich von seinem Schreibtisch, kniete vor das verängstigte Tier, darauf achtend, sich sehr langsam zu bewegen, hielt ihm die Hand hin, ließ dem Anderen etwas Zeit, bevor er Diesem über das Fell streichelte. Er sah auch das Halsband, was ihn doch beruhigte. Nun konnte auch Sev sich nicht mehr beschweren. „Ja, der Name passt“, stimmte er seinem General zu. Dann wandte er sich an das Tier, sah in die doch so menschlich wirkenden, verängstigten Augen. „Hier geschieht dir nichts“, versicherte er mit gleichmäßiger Stimme. „Du bist sicher. Du bist ein edles Tier, du hast keinen Grund, dich klein zu machen. Sei stolz auf das, was du bist. Das hilft meistens.“ Damit erhob er sich wieder, setzte sich und musterte den Rotschopf. „Was sind deine Pläne? Im Momenthast du ja nicht zu viel zu tun auf der Arbeit.“

Percy zuckte mit den Schultern. „Schon, aber das heißt nichts. Ich muss zu meiner Familie, ein, zwei Mal mit Sicherheit, außerdem wollte ich mit einigen Unsprechbaren reden und mich nach einem Reporter umsehen, der wirklich auf unserer Seite steht. Keine Irre wie Skeeter, einen seriösen Schreiber mit gut fundierten Artikeln. Ich denke, ein, zwei Berichte könnten unserer Sache schon helfen und…“, kurz stockte Percy, sah den Anderen entschuldigend an, griff in die Tasche seines Umhangs und seufzte. „Meine Brüder rufen mich“, erklärte er schließlich. „Es muss was vorgefallen sein, ich würde gern…“

„Schon klar. Welche? Die Zwillinge?“ Immerhin schienen die Beiden ähnlich zu denken, wie sein General, waren also auch potentielle Verbündete, Verbündete mit Köpfchen und herausragenden Fähigkeiten, wie sogar Severus immer wieder zähneknirschend zugeben musste. Der Ältere schien eine Leuchte mit Tränken zu sein, der Jüngere beherrschte sehr fortgeschrittene Zauber und Beschwörungen, auch, wenn sie meist nur einen Auf Idioten zu machen schienen, sie hatten mit die besten Noten in ihrem Jahrgang und erfanden jetzt schon selbst Spaßartikel, die weit bessere waren, als viele Dinge, die es bisher auf dem Markt gab.

Percy nickte. Das waren die Einzigen, um die er sich wirklich noch kümmerte, sie waren es, die Fragen stellten.

„Gut, dann geh und sieh, was die Beiden wollen, du kannst ihnen gleich deine neueste Errungenschaft zeigen“, fügte Tom grinsend an. „Und wenn sie was Neues erfunden haben, bring es mir doch mit, es ist immer so unterhaltsam, es an einigen Idioten auszuprobieren und peinlicher, als einige Runden crucio.“

Percy lachte leise, nickte aber dann, berührte seinen Gefährten leicht, hob Diesen dann hoch und machte sich schnell auf den Weg durch das Floonetz mit dem Passwort, dass die Beiden ihm durchgegeben hatten, sich wundernd, wo er nun schon wieder landen würde und warum die Jungs nicht waren, wo sie hin gehörten – zu Haus.

Was…? Harry starrte auf den Kerl, der erst so komisch mit ihm und jetzt mit Percy geredet hatte, wer war das?! Der benahm sich ja unheimlich! Würde er es nicht besser wissen…! Nein! Nicht mal daran denken, befahl er sich selbst. Stattdessen ließ er sich von dem Rotschopf hochheben, der ihn mit in einen Kamin schleppte. Toll, er vertrug flooen schon nicht wenn er ein Mensch war!

Verwirrt blickte Percy um sich, er war mitten in einem geschlossenen Geschäft gelandet, nun, in einem Hinterzimmer, um es genauer zu sagen. Vorsichtig setzte er den Leoparden wieder auf den Boden, der trocken zu würgen schien. „Tut mir leid“, murmelte er leise. „Ich fürchte, Tiere vertragen das Flooen nicht sonderlich. Wir apparieren zurück“, versprach er, dann sah er auf, in dem Moment, als einer seiner Brüder den Raum betrat.

„George“, stellte er nach einer kurzen Musterung fest. „Wo ist Fred und wo bei Merlin bin ich hier? Warum seid ihr nicht bei eurer Mutter?“

„Und wen hast du mitgeschleppt?“, konterte George sofort, starrte auf das Tier, das sofort zu flüchten versuchte, ausgerechnet hinter Percy, der eigentlich keine andere felinen Tiere duldete, oder auch nur mochte.

„Ruhig, Neveo“, bat Percy, zuckte dann mit den Schultern. „Ich erkläre es nachher“, gab er zurück. Beantwortest du bitte meine Fragen?“

„Ich… Fred schläft, er hatte eine sehr unruhige Nacht“, erklärte George schließlich. „Alpträume, schlechtes Gewissen, Probleme, ich weiß es nicht.“ Er deutete dem Andere, ihm zu folgen, brachte den Besuch in das kleine, aber bequem eingerichtete Wohnzimmer, wo der sich auf einen Sessel setzte, der Schneeleopard, der allen Ernstes Stummelflügel an der Seite zu haben schien, zu seinen Beinen.

„Und was ist der Grund dafür, dass ihr hier seid? Wo auch immer hier ist?“

„Hier ist ein Laden mit Wohnung am hintersten Ende von Hogsmaede“, erklärte George. „Und wir sind hier, weil unsere Mutter, wie du sie so schön nennst, uns raus geworfen hat. Wir hätten in den Ferien dem Orden beitreten sollen, aber weder Fred noch ich wollten das, wir wollten nie was Anderes tun als Scherzartikel zu erfinden, wir wollten neutral bleiben, weil wir… du weißt, dass wir einige Dinge komisch fanden. Das wurde als Hinweis gesehen, dass wir schwarz wären und es endete damit, dass wir geworfen wurden. Auch, weil wir die Schule abgebrochen haben, einfach, weil wir Angst hatten, eins übergezogen zu bekommen und als Ordensmitglieder aufzuwachen.“

Percy seufzte leise. Er hatte geahnt, dass die Zwillinge neutral bleiben wollten, sei hatten sich schon oft bei ihm ausgeheult, dass etwas nicht stimmte, dass sie Harry hatten aus dem Haus seiner Verwandten herausbrechen müssen, da er eingeschlossen gewesen sei, in einem leeren Zimmer mit Katzenklappe, mehreren Schlössern und Gittern vor den Fenstern, dass er immer so schlimm ausgesehen hatte und Niemand ihm zu helfen bereit gewesen zu sein schien. Es war klar gewesen, dass es mal so weit kommen musste. „Womit habt ihr das bezahlt?“, fragte er, abwesend den Kopf des Tieres kraulend, das nun recht genau zuzuhören schien.

„Wir… haben Harry erzählt, dass wir aus der Schule austreten und unseren Laden eröffnen wollen, weil wir ja jetzt volljährig sind“, erklärte George, seufzte leise. „Er hat uns den gesamten Betrag gegeben, den er beim Turnier gewonnen hat. Er ist unser Finanzier und wir durften uns nicht mal bedanken. Wir wollten ihn besuchen, aber wir wissen ja nicht mal, wie seine Adresse ist. Jemand hat uns das Wissen genommen. Schon letztes Jahr.“

„Also wollt ihr das mit dem Laden durchziehen, hier, in einer Gegend, wo es dauernd Überfälle gibt?“, fragte Percy vorsichtig.

„Ja“, knurrte George. „Wir brauchen vielleicht Schutzzauber, aber wir wollen uns nicht vertreiben lassen! Wir wollen ein Leben für uns und wir wollen Harry helfen! Irgendwie!“

Wirklich? Wollten die Zwillinge das wirklich? Harry merkte gar nicht, wie er sich entspannte. Er sah auf George, wusste, der Andere meinte es ehrlich. Nun, auf die Zwillinge hatte er sich immer verlassen können, sie waren da gewesen, auf ihre Weise, so, wie Neville und Luna. Sie hatten versucht, ihn zum Lachen zu bringen.

Überrascht musterte Percy den aufgebrachten Zwilling, dessen Augen regelrecht Funken zu sprühen schienen. „Ist dir klar, dass du dich, wenn ich euch helfe, dass es dann kein zurück mehr geben wird? Man wird euch als schwarz sehen, als die Bösen. Selbst, wenn der dunkle Orden euch nicht jagt, die Brathähnchen werden es tun.“

George machte ein abfälliges Geräusch, packte seinen Bruder am Arm, ohne auf das Fauchen des Tieres zu achten. „Glaubst du wirklich, wir wüssten nicht, was du da hast?“, fragte er den Älteren. Du magst gut im Verstecken sein, aber Fred ist gut im Entdecken. Als wir das mitbekommen hatten, wollt ich zu Ma, aber er hat gesagt, dass du vielleicht eher im Recht bist, als der Rest. Wir wollen nicht unbedingt neutral bleiben, wir wollen nur auf gar keinen Fall die Partei eines Mannes ergreifen, der Kinder quält und sein Wohl über das von jedem Anderen stellt!“

Gut, jetzt hatten sie ihn wirklich, stellte Percy überrascht fest. Oh, er hatte gewusst, die Zwillinge waren anders, sie hatten sich früh von den Geschwistern abgesetzt, waren immer zusammen gewesen, hatten die Welt wohl auch deswegen ein wenig verbittert gesehen, weil kaum Jemand sie auseinander halten, Niemand verstehen wollte, wie nah sie sich standen. Doch er hätte nie gedacht, dass einer der Beiden sein Mal entdeckt hätte. „Wenn ihr euch so sicher seid, gut“, antwortete er daher schließlich. „Ich schicke euch morgen zwei Leute vorbei, die starke Schutzzauber weben werden. Sie werden euch sagen, dass sie von mir geschickt wurden.“

„Danke“, lächelte George. „Wir wussten, wir können uns wenigstens auf dich verlassen…“

Percy stand auf, nahm den Anderen kurz in die Arme, ohne zu sehen, wie sein kleiner Gefährte sich absetzte. „Ihr seid meine Brüder und ich mag euch, auch, wenn ihr die Tendenz habt, euch unmöglich zu verhalten. Am liebsten hätt ich euch ja zumindest Bill geschickt, um die Zauber zu stärken, aber der weigert sich, englischen Boden zu betreten, solang hier die Fronten nicht geklärt sein werden. Charlie übrigens auch.“

George zuckte mit den Schultern. „Das haben wir schon befürchtet, wir haben dich zuerst gefragt, an die Anderen haben wir gar nicht gedacht.“

Percy seufzte etwas. „Versprecht mir nur, euch aus dem Meisten raus zu halten, bitte. Ihr wist nicht, worum es geht und ich würde euch lieber nicht irgendwo vom Straßenbelag kratzen müssen, weil ihr erst gehandelt und dann gedacht habt.“

„Keine Sorge“, versprach George. „Ich weiß, ihr denkt immer, wir übereilen was, aber wir haben nie was getan, ohne wirklich nachzudenken. Aber sag mal, wie kommst denn gerade du zu einer Wildk… wo ist dein Vieh?!“

„Was?“, verwirrt sah Percy sich um, stellte fest, dass Neveo wirklich nicht mehr da war. „Neveo! Kleiner! Wo bist du?!“, rief er panisch, ließ seinen Blick wild durch den Raum gleiten, sah dann eine angelehnte Tür – und stürmte erst mal los.

Harry dagegen glaubte das alles da gerade nicht. Gut, Percy hatte was mit dem dunklen Orden zu Tun, aber dass die Zwillinge Interesse hatten…! Er beobachtete, wie George nach dem Arm des Älteren griff, fauchte, nicht wollend, dass der Andere das tat, doch ihm wurde wieder nur nebenbei der Kopf getätschelt. Dann eben nicht! Ohne ein weiteres Geräusch schlich er los, vielleicht konnte er ja Fred finden, in diesem Chaos aus Mief, das Meiste zweifelsohne Trankzutaten.

Er musste nicht wirklich nachdenken, bevor er sich dazu entschied, eine Treppe nach oben zu schleichen, da waren sicher die Schlafzimmer, die beiden würden kaum in ihren Geschäftsräumen übernachten. Von da war es kein weiter Weg mehr, bis zu einem Zimmer, in dem eindeutig noch Jemand liegen musste, er roch das Shampoo, das der Andere immer benutzt hatte. Lautlos glitt er in das Zimmer, blickte auf den Rotschopf, der im Bett lag, der schien noch nicht mal wirklich zu schlafen, nur noch zu dösen.

Rasch sprang Harry, machte es sich neben dem Älteren bequem und wartete einfach mal etwas ab. Solang, bis der Zwilling sich aufrichtete.

Verdammt. Jetzt war er ganz wach. Fred hatte so was von keine Lust, aufzustehen und sich dem Tag zu stellen. Er wusste ja jetzt schon, wie schlimm der werden würde, mit seinen dauernden Selbstvorwürfen und seinen Zweifeln, das Richtige getan zu haben. Doch dann merkte er, wie die Matratze sich bewegte. Nicht so, als würde George sich setzen oder Percy ihn rauswerfen wollen, sondern… anders.

Also richtete Fred sich auf – und erstarrte, als er in blausilberne Augen sah, die ihm aus einem Katzengesicht anstarrten. „Du… bist nicht George“, stellte er fest, verwirrt, dass das Tier so ruhig war. Vermutlich ein Animagus, alles Andere würde hier viel zu sehr auffallen. „Mit wem genau hab ich die Ehre?“,fragte er, griff nach dem Halsband und fragte sich, welcher Mensch sich so was antat, las dann überrascht den Namen seines älteren Bruders. „Perc? Du bist mit Percy gekommen?“, fragte er, legte den Kopf schief, etwas, das der Andere, zu seiner Erheiterung, einfach nachmachte.  „Ich hab irgendwie das Gefühl, dass ich dich kenne und… okay, du nickst. Ich kenn dich!“

Erneut nickte Harry, amüsiert über Freds schnelle Auffassungsgabe, die ja schon immer dessen größte Stärke gewesen war.

„Aus der Schule…“ Wieder nickte das Tier, das laut dem Halsband Neveo hieß, ein Name, der durchaus passte. „Du bist so zerrupft“, murmelte Fred, strich über den Brustkorb, aus dem die einzelnen Rippen regelrecht hervorstachen, bevor er abrupt in die blauen Augen des Tieres sah, es nicht fassen könnend. „Harry?“,f ragte er fast lautlos. „Harry, bist… bist das du?!“

Dieses Mal zögerte Harry zu nicken, doch er tat es, er hatte den Zwillingen vertraut, immer, warum nicht auch jetzt? Vielleicht war es gut, wenn Irgendwer es wusste.

„Wie bist du denn bei Perc gelandet und… willst du bei ihm bleiben?“

Wollen? Ehrlich gesagt, er wusste es nicht, er wusste nur, dass er schon jetzt unruhig war, weil er den Anderen eigentlich gern bei sich haben würde. Ja, er musste sich selbst nicht verstehen. Aber er nickte. Vorerst Percy, weil der auch was katziges war und ihn sogar hatte am Tisch essen lassen, auch, wenn er ihn ja gebissen hatte. Aber er hatte auch Harrys Wunden geheilt.

„Und ich soll nichts sagen? Du willst nicht, dass er weiß, er du bist?“ Wieder nickte das Tier und Fred lächelte etwas. „Dein Geheimnis ist bei mir sicher“, versprach er seinem kleinen Freund, froh zu wissen, dass es dem Anderen gut ging, er nicht bei seinen furchtbaren Verwandten sein musste. Er kannte seinen Bruder gut genug im zu wissen, dass der immer für seine Tiere sorgte. Und ganz ehrlich – Harry hatte sich etwas Ruhe verdient, Niemand sonst würde so was ahnen, na ja, außer George, aber das war etwas Anderes. Sie beide wussten, wie sehr Harry jemand Anderes hatte sein wollen, frei von all den Vorurteilen gegen ihn, frei von Verantwortung. Er mochte direkt unter der Nase des dunklen Ordens sein, doch er war auch sicher. „Und du kannst immer kommen, wenn du  Hilfe brauchst. Du bekommst sogar dein eigenes Körbchen“, kicherte er, kraulte den Jüngeren.

Harry sparte sich auch nur eine Reaktion, machte sich aber auf der Decke breit. Er fühlte sich immer noch müde.

So fanden George und Percy die Beiden schließlich. Fred war wohl wieder eingeschlafen, Neveo lag an dessen Fußende, selbst vollkommen weggetreten. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis dessen schlafverhangene Augen sich auf Percy richteten. Der lächelte einfach, schüttelte den Kopf. „Hast du dir einen neuen Freund gesucht?“, fragte er seinen Gefährten, nahm Diesen schließlich auf die Arme. War klar gewesen, dass der Jüngere noch erschöpft war. „Komm, es wird Zeit, dass wir gehen.“ Dann sah er zu George, ließ sich von dem wieder zurück bis zur Hintertür bringen. „Ich schicke die Leute“, versicherte er noch mal. „Und haltet die Köpfe unten.“

 

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